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Vermittlung von Web Literacy in der Hochschullehre

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Martin Wessner, Sabine Hueber

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Ziel des seit Wintersemester 2014/2015 an der Hochschule Darmstadt angebotenen Studiengangs Onlinekommunikation ist, „dass die Studierenden eine hohe Kompetenz im professionellen Umgang mit Onlinekommunikation erwerben – beginnend mit dem Finden und Nutzen von Angeboten über das Konzipieren und Produzieren von Webinhalten bis zur Vermittlung von Onlinekompetenz“ (Hochschule Darmstadt, 2015). Für das im ersten Semester stattfindende „Web Literacy Lab“, eine Veranstaltung zur Vermittlung von Web Literacy, wurde die Idee eines Barcamps entsprechend der spezifischen Anforderungen und Rahmenbedingungen der Hochschullehre weiterentwickelt. Das Web Literacy Lab besteht aus 4 Barcamps im Wechsel mit Gruppenarbeitsphasen sowie einem Abschlusscamp, auf dem die Ergebnisse vorgestellt werden. Die 83 Studierenden des ersten Semesters wurden in 12 Gruppen mit je 6–7 Personen aufgeteilt. Pro Barcamp gab es zunächst eine Plenumsphase, in der die in diesem Barcamp angebotenen Sessions von den Studierenden vorgestellt wurden. Danach folgten zwei Themen-Slots à 45 Minuten mit jeweils drei parallelen Sessions. In einer Abschlussrunde im Plenum wurden die Sessions reflektiert.

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Jede Session wurde von einer Studierendengruppe vorbereitet, durchgeführt und dokumentiert. In den Gruppenarbeitsphasen zwischen den Barcamps arbeiteten die Studierenden an der Vor- bzw. Nachbereitung ihrer Sessions, der Semesteraufgabe oder erhielten ein Coaching durch die Lehrenden. Die Sessionthemen wurden während der Gruppenarbeitsphasen festgelegt. Die Studierenden konnten aus vorgegebenen Themen auswählen oder eigene Themen vorschlagen. Zur Strukturierung der Arbeit der Studierenden und zur frühzeitigen Erkennung von Fehlinterpretationen der Semesteraufgabe wurden die Arbeitsergebnisse in einem Online-Portfolio im System Mahara gesammelt. Dabei gab es Vorgaben, die sich am Kursrhythmus orientierten, beispielsweise musste ein reflektierender Blogbeitrag innerhalb von drei Tagen nach einem Barcamp veröffentlicht werden. Mahara wurde auch für das Feedback durch die Lehrenden genutzt. Die Vollständigkeit des Lernportfolios wurde als Bewertungsgrundlage herangezogen.

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Zur Ermittlung des individuellen Kompetenzprofils wurde ein Selbsteinschätzungsfragebogen konstruiert und von den Studierenden zu Beginn und am Ende des Semesters anonym ausgefüllt. Der Fragebogen umfasste 118 Items. Abbildung 1 zeigt die durchschnittliche Selbsteinschätzung der Studierenden zu Beginn und zum Ende der Veranstaltung. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Web Literacy Lab einen förderlichen Rahmen insbesondere für den Bereich Onlinekollaboration und Community Building, die Nutzung der entsprechenden Werkzeuge und den Aufbau der entsprechenden Kompetenz geschaffen und die Entwicklung der Studierenden hin zu einer Community unterstützt hat.

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Abb. 1:      Die durchschnittliche Selbsteinschätzung in der 1. und 2. Befragung (1 = „trifft voll zu“, 5 = „trifft gar nicht zu“). Kategorien: Medienkunde/Medienkritik: A  Softwaretools nutzen, um im Web zu navigieren, B  Webmechanismen überblicken, C  Menschen, Informationen und Ressourcen über das Web finden, D  Glaubwürdigkeit von Informationen aus dem Web evaluieren, E  Systeme, Identitäten und Inhalte sicher nutzen. Mediennutzung/Mediengestaltung: A  Inhalte kuratieren, B  Inhalte modifizieren, um etwas Neues zu erstellen, C  Universelle und effektive Kommunikationsmittel gestalten, D  Programmieren und Skripten, E Semantische Web-Infrastrukturen überblicken. Onlinekollaboration/Community Building: A  Web-Ressourcen teilen, B  Onlinekollaboration praktizieren, C  An einer Community teilhaben, D  Soziale Prozesse im Web überblicken, E  Sich der Konsequenzen bewusst sein, Daten online zu teilen.

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Eine bei der Durchführung gesammelte Erfahrung: Die Notwendigkeit der Selbstorganisation führt zu einer Zunahme der Komplexität von Prozessen und daraus resultierend einer höheren Unsicherheit bei den Studierenden. Gleichzeitig werden Lerninhalte tiefer verarbeitet und direkt angewendet. Die Ergebnisse können nicht ohne weiteres auf andere Studiengänge und Hochschulen übertragen werden: Die Lehrveranstaltung wurde in einem neuen Studiengang erstmalig durchgeführt. Auch haben Studierende der Onlinekommunikation sicher spezifische Eigenschaften und eine hohe Onlineaffinität, sind also nicht repräsentativ für alle Studierenden.

Literatur

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Hochschule Darmstadt (2015). Onlinekommunikation (Bachelor of Science). https:// www.h-da.de/studium/studienangebot/studiengaenge/architektur-medien-und-design/onlinekommunikation-bsc/?type=97

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Mozilla (2015). Web Literacy Map – 1.1.0. http://webmaker.org/de/literacy

Quelle:http://2015.gmw-online.de/329/