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Lebenslang vernetzt lernen und lehren. Blended Learning in der Lehrerbildung am Beispiel eines Praxisprojektes

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Julia Lutz

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Beim „Netzwerk Musikunterricht an der LMU“[1] handelt es sich um ein interdisziplinär angelegtes Projekt, dessen Ausgangspunkt und Zentrum das Fach Musik bildet. Phasenverbindendes und lebenslanges Lernen sowie interdisziplinäres Arbeiten nehmen dabei einen hohen Stellenwert ein – etwa durch die Zusammenarbeit von Fachdidaktik und Schulpraxis, durch die Vernetzung der einzelnen Phasen der Lehreraus- und -fortbildung, durch Kooperationen zwischen Institutionen (Universität, Schule, öffentliches Musikleben), durch den Austausch zwischen angehenden und praktizierenden Lehrkräften mit Musik als Studienfach und jenen, die Musik ohne Studium fachfremd unterrichten[2]. Auf der Basis von Evaluationsergebnissen aus dem Projekt bieten die folgenden Ausführungen einen Einblick in Möglichkeiten, Perspektiven und Herausforderungen von Blended Learning in der Lehrerbildung.

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Im Mittelpunkt der verschiedenen Seminarangebote des Netzwerk-Projektes steht die Planung von Musikstunden oder musikbezogenen Unterrichtsprojekten. Dabei arbeiten Studierende des Lehramts Grundschule mit Musik als Studienfach in unterschiedlichen Konstellationen in Teams zusammen – teilweise unter sich, teilweise in Kooperation mit Lehramtsanwärtern (LAAs) oder mit Lehrpersonen. Das gemeinsam geplante Unterrichtsbeispiel wird in einer Schulklasse durchgeführt und reflektiert. Zur Unterstützung der Teamarbeit sowie zum Austausch der entwickelten Unterrichtsvorhaben und Praxiserfahrungen wird Moodle als Lernplattform ergänzend zu den Präsenzterminen eingesetzt. In diesem nicht-öffentlichen Rahmen können auch Reflexionsergebnisse dokumentiert und diskutiert werden. Herausforderungen bestehen insofern, als Personen aus unterschiedlichen Zielgruppen am Projekt teilnehmen und für LAAs und Lehrpersonen als nicht der Universität Angehörige jeweils individuell ein Zugriff auf Moodle eingerichtet werden muss.

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Mit Blick auf die Weiterentwicklung der E-Learning-Anteile im Netzwerk-Projekt ist zu fragen, inwieweit einerseits die Studierenden die ergänzenden Angebote der Lernplattform nutzen und welche Bedeutung diese haben, und andererseits externe TeilnehmerInnen Interesse am E-Learning zeigen und zur aktiven Nutzung bereit sind. Seit Beginn des Projekts im Wintersemester 2011/2012 wurden 385 TeilnehmerInnen schriftlich anhand eines standardisierten Fragebogens jeweils am Ende des Semesters befragt.[3] Ergänzende Informationen zur Akzeptanz von Moodle sowie zu Chancen und Grenzen aus Teilnehmersicht liefern leitfadenbasierte Interviews mit 24 TeilnehmerInnen, unter denen alle drei Zielgruppen vertreten sind.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Aus den Antworten der Studierenden lässt sich auf eine weitgehend regelmäßige Nutzung und auf eine hohe Akzeptanz von Moodle schließen. LAAs und Lehrpersonen zeigen sich grundsätzlich bereit zur Nutzung einer Lernplattform, wenn die Hemmschwelle niedrig ist und der sich ergebende Mehrwert den Mehraufwand – etwa bei der Einarbeitung in die Benutzung einer Lernplattform – deutlich überwiegt. Als größten Vorteil betrachten die Befragten die Möglichkeit zur Bereitstellung und zum Austausch von Materialien und Informationen, wobei oft auf die Möglichkeit zur Kommentierung bereits durchgeführter Unterrichtsstunden hingewiesen wird. Ein weiterer, von Studierenden häufig genannter Vorzug von Moodle besteht darin, dass die Mitglieder eines Teams ohne Bindung an einen Ort jederzeit zusammenarbeiten können; LAAs und Lehrkräfte äußern sich zu diesem Aspekt wesentlich zurückhaltender. Grenzen des kooperativen Lernens im E-Learning-Bereich kommen vor allem dann zum Ausdruck, wenn das Engagement der einzelnen Teammitglieder in quantitativer und qualitativer Hinsicht sehr unterschiedlich ist.

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Insgesamt betrachten Studierende und externe TeilnehmerInnen die E-Learning-Elemente als Unterstützung und gewinnbringende Ergänzung zu den Präsenzterminen. Als Perspektive für die Weiterentwicklung des Projekts – und insbesondere im Hinblick auf interdisziplinäres und lebenslanges Lernen und Lehren in der Lehrerbildung – ergibt sich daraus, dass der virtuelle Bereich des Netzwerk-Projekts erweitert, die erarbeitete Sammlung an Unterrichtsmaterialien kontinuierlich ergänzt werden und künftig allen ProjektteilnehmerInnen zur Verfügung stehen soll. Eine solche Datenbank kann insbesondere auch bei fachfremd Lehrenden in Verbindung mit bestärkenden Erfahrungen beim Unterrichten zur Weiterentwicklung ihrer Unterrichtskompetenz im Fach Musik beitragen sowie der Vielfalt an Lernvoraussetzungen der verschiedenen Zielgruppen gerecht werden (vgl. Kerres & Lahne 2009).

Literatur

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Jürgens, B., Kupetz, R., Ziegenmeyer, B., Salewski, Y., Kubanek, A., Becker, T. (2006). Kompetenzorientiertes E-Learning – ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Lehrerbildung. In E. Seiler Schiedt, S. Kälin, C. Sengstag (Hrsg.), E-Learning – alltagstaugliche Innovation? (S. 338-347). Münster: Waxmann.

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Kerres, M. & Lahne, M. (2009). Chancen von E-Learning als Beitrag zur Umsetzung einer Lifelong-Learning-Perspektive an Hochschulen. In N. Apostolopoulos, H. Hoffmann, V. Mansmann, A. Schwill (Hrsg.), E-Learning 2009. Lernen im digitalen Zeitalter (S. 347-357). Münster: Waxmann.



8 Leave a comment on Absatz 8 0 [1] Im Folgenden vereinfacht auch als „Netzwerk-Projekt“ bezeichnet. Projektbeginn: Wintersemester 2011/2012; das Projekt wird aktuell noch weitergeführt und weiterentwickelt.

9 Leave a comment on Absatz 9 0 [2] Im Fach Musik in der Grundschule liegt der bundesweit angenommene Anteil an fachfremdem Unterricht seit Jahren konstant bei rund 75 bis 80%.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 [3] Die Gesamtzahl der Befragten setzt sich wie folgt zusammen: Studierende (N = 195), LAAs (N = 109), Lehrer (N = 81). Studierende und Externe (LAAs, Lehrer) wurden mit unterschiedlichen Fragebögen befragt. Bei den dargestellten Tendenzen handelt es sich um Ergebnisse einer Zwischenevaluation bis einschließlich Wintersemester 2014/2015; diese Daten wurden bisher nicht publiziert.

Quelle:http://2015.gmw-online.de/316/?replytopara=9