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Heterogenität als Chance? Möglichkeiten der Binnendifferenzierung in mediendidaktischen Qualifizierungsangeboten

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Claudia Börner, Claudia Bremer, Brigitte Grote, Luise Henze, Peer-Olaf Kalis, Heike Müller-Seckin, Jana Riedel

Einleitung und Zielsetzung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Die Mehrzahl der deutschen Hochschulen bietet Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote für Hochschullehrende zu Themen der Hochschuldidaktik und/oder dem Einsatz digitaler Medien in Lehr- und Lernprozessen an (Bremer, 2003; Grote, 2008; Kalis & Wipper, 2014; Riedel et al., 2013). Die Zielgruppe der Hochschullehrenden zeichnet sich durch eine starke Heterogenität in Bezug auf Fachdisziplin, Vorwissen, Medienaffinität und -kompetenz, Status, Motivation und Selbstverständnis als Lehrender aus. Solch heterogene Lerngruppen stellen allerdings keinen Sonderfall von Qualifizierungsangeboten in der Hochschullehre dar, sondern sind als ein Kernelement von Erwachsenenbildung festzustellen (Grotlüschen, 2004). Bei der Planung und Durchführung von Qualifizierungsangeboten gilt es daher, didaktische Konzepte zu entwickeln, die die Heterogenität der Lerngruppe in ausreichendem Maß berücksichtigen. Der hier eingereichte Workshop befasst sich mit dieser Herausforderung und betrachtet didaktische und organisatorische Möglichkeiten, in Fortbildungsreihen mit der Heterogenität von Lehrenden umzugehen.

Umgang mit Heterogenität durch Differenzierung

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Im Unterschied zur Schulpädagogik liegen in der Erwachsenenbildung bislang nur wenige theoretische Auseinandersetzungen zum Umgang mit der Heterogenität auf mikrodidaktischer Ebene vor (Franz, 2010). In der Literatur werden vor allem zwei Ansätze diskutiert, wie auf die Heterogenität der Lernenden reagiert werden kann:

3 Leave a comment on Absatz 3 0 ·    Äußere Differenzierung: Durch verschiedene Auswahlverfahren werden nach dem Prinzip der Selektion bzw. Segregation möglichst homogene Lerngruppen gebildet.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 ·    Innere Differenzierung bzw. Binnendifferenzierung: Unter Beibehaltung der Zusammensetzung der Lerngruppe wird versucht, das Lernangebot durch den Einsatz verschiedener Methoden an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Lernenden anzupassen (Modifikation und Integration) (Scholz, 2007).

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Wird jedoch Heterogenität – und im Kontext der Zielgruppe Hochschullehrende vor allem auch Interdisziplinarität – als Chance gesehen, dann sollte nicht vorgeschalteten Selektionsmechanismen gefolgt, sondern gemeinsames Lernen mit ausreichend Raum für Einzelaktivitäten organisiert werden (Binnendifferenzierung). Welzel formulierte bereits 1985, dass didaktische Probleme der Heterogenität nicht „durch Herstellung einer künstlichen Monolithizität gelöst werden […], sondern durch Integration, durch didaktische Nutzung subjektiver wie objektiver Heterogenität.“ (Welzel, 1985, S. 6). Binnendifferenzierung kann dabei ganz unterschiedlich ausgerichtet werden und unterscheidet sich vor allem hinsichtlich des Ausmaßes der Steuerung. Bönsch (2008) differenziert drei „Lernsets“ für die Binnendifferenzierung: nachgehende Differenzierung, Bearbeitungsdifferenzierung bei klaren Vorgaben sowie freigebende Differenzierung.

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Auf Grundlage dieser Strukturierung ergeben sich im Kontext mediendidaktischer Qualifizierungsangebote vielfältige Möglichkeiten für den Umgang mit Heterogenität Lehrender. In der Weiterbildungspraxis stellt sich vor allem die Frage, welche Vorteile Qualifizierungsangebote, in denen Lehrende aus verschiedenen Fachdisziplinen zusammenkommen und somit den interdisziplinären Austausch und eine Reflexion der eigenen fachspezifischen Praktiken und Bedarfe erleben, im Vergleich zu fachspezifisch ausgerichteten Qualifizierungsangeboten haben, in denen speziell auf die Bedarfe einer Fachdisziplin eingegangen werden kann. Gerade durch die Umsetzung der Qualifizierungen im Blended-Learning-Format oder sogar als reine Online-Module lassen sich andere Formen der Differenzierung umsetzen als dies in reinen Präsenzveranstaltungen möglich ist.

Gestaltung und Ablauf des Workshops

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Die KoordinatorInnen des dreistündigen Workshops bieten an ihren jeweiligen Hochschulen Weiterbildungsangebote zum Einsatz digitaler Medien und Technologien in der Hochschullehre (E-Teaching) an. Ausgehend von den konkreten Erfahrungen aus diesen Qualifizierungsangeboten wird nach einem Einführungsvortrag an verschiedenen Stationen thematisiert, welche Herausforderungen die Heterogenität der Zielgruppe an die Gestaltung der Weiterbildungsangebote stellt und wie diesen begegnet werden kann. Folgende Fragen werden im Workshop diskutiert:

8 Leave a comment on Absatz 8 0 ·    Wie kann methodisch angemessen auf die fachliche Heterogenität der Teilnehmenden in Blended-Learning-Szenarien eingegangen werden?

9 Leave a comment on Absatz 9 0 ·    Wie können die Erwartungen und Bedürfnisse der unterschiedlichen Statusgruppen berücksichtigt werden?

10 Leave a comment on Absatz 10 0 ·    Wie kann auf die unterschiedliche Medienaffinität und -kompetenz eingegangen werden?

11 Leave a comment on Absatz 11 0 ·    Welche Voraussetzungen sind für eine gelebte „Binnendifferenzierung“ z.B. innerhalb von Präsenzveranstaltungen erforderlich?

12 Leave a comment on Absatz 12 0 ·    Was bedeutet die Heterogenität der Teilnehmenden für die Lehr-/Lernziele bzw. Kompetenzen?

Literatur

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Bönsch, M. (2008). Methodik der Differenzierung. Die Berufsbildende Schule, 60, 324-328.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 Bremer, C. (2003). Hochschullehre und Neue Medien – Medienkompetenz und Qualifizierungsstrategien für Hochschullehrende. In U. Welbers (Hrsg.), Hochschuldidaktische Aus- und Weiterbildung (S. 323-345). Gütersloh: W. Bertelsmann.

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Brückner, C., Hafer, J. & Henze, L. (2012). Eine E-Teaching-Weiterbildung im Spannungsfeld von Theorie und Praxis: Ziele, Wege und Hindernisse in einer hochschuldidaktischen Weiterbildung zur Entwicklung von E-Lehrkompetenz. In B. Behrendt et al. (Hrsg.), Neues Handbuch Hochschullehre: Lehren und Lernen effizient gestalten (S. 1-16). Berlin: Raabe.

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Brückner, C., Hafer, J. & Henze, L. (2012). Das eTEACHiNG-Programm für Hochschullehrende in Brandenburg. Didaktische und methodische Bausteine einer Weiterbildung. In N. Apostolopoulos, U. Mußmann, W. Coy, A. Schwill (Hrsg.), Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens. Von der Innovation zur Nachhaltigkeit (S. 172-186). Tagungsband zur GML² 2012.

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Franz, J. (2010). Intergenerationelles Lernen ermöglichen: Orientierungen zum Lernen der Generationen in der Erwachsenenbildung. Bielefeld: W. Bertelsmann.

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Grotlüschen‚ A. (2004). ‚Verschwiegene Interessen’ und ‚Ungefragte Fragen’ als Ausdruck verhaltener didaktischer Einbindung heterogener Lerninteressen. In W. Bos, E.-M. Lankes, N. Plaßmeier, K. Schwippert (Hrsg.), Heterogenität. Eine Herausforderung an die empirische Bildungsforschung (S. 127-140). Münster: Waxmann.

19 Leave a comment on Absatz 19 0 Grote, B. (2008). Qualifizierungsmaßnahmen als Teil der E-Kompetenz­ent­wicklung an der Freien Universität Berlin. In K. Rebensburg (Hrsg.), Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens – GML2 2008, Berlin.

20 Leave a comment on Absatz 20 0 Kalis, P.-O. & Wipper, A. (2014) Die Mischung macht’s! – Angebots- und bedarfsorientierte Unterstützung beim Einsatz digitaler Medien in der Hochschullehre. In N. Apostolopoulos, H. Hoffmann, U. Fußmann, W. Coy, A. Schwill (Hrsg.), Grundfragen multimedialen Lehrens und Lernens. Der Qualitätspakt E-Learning im Hochschulpakt 2020 (S. 355). Tagungsband zur GML² 2014.

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Riedel, J., Grote, B., Schumann, M., Albrecht, C., Henze, L., Schlenker, L., Börner, C., Hafer, J., Castrillejo, V. & Köhler, T. (2014). Fit für E-Teaching. Diskussion von Empfehlungen für die inhaltliche, methodische und strategische Gestaltung von E-Teaching-Qualifizierungen. In K. Rummler (Hrsg.), Lernräume gestalten? Bildungskontexte vielfältig denken (S. 431-440). Münster: Waxmann.

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Scholz, I. (2007): Es ist normal, verschieden zu sein – Unterrichten in heterogenen Klassen. In I. Scholz (Hrsg.), Der Spagat zwischen Fördern und Fordern: Unterrichten in heterogenen Klassen (S. 7-23). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Quelle:http://2015.gmw-online.de/285/?replytopara=1