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Ein Angebot für alle? – Blended-Learning im Umgang mit Vielfalt in (weiterbildenden) Masterstudiengängen

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Brigitte Grote, Cristina Szász, Athanasios Vassiliou

Zusammenfassung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Mit zunehmender Diversifizierung der Studierendenschaft ergeben sich neue Herausforderungen für Masterstudiengänge. In diesem Praxisbericht beschreiben wir, wie Studienbedingungen und Lehr-/Lernsituationen in (weiterbildenden) Masterprogrammen an der Freien Universität Berlin durch mediengestützte Lösungen und Unterstützungsangebote flexibler und passgenauer gestaltet werden. Im Fokus stehen Blended-Learning-Formate im Umgang mit fachlicher Heterogenität.

1       Motivation

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Vor allem in (weiterbildenden und internationalen) Masterstudiengängen ist eine zunehmende Diversifizierung der Studierenden und der „Abschied vom Normalstudierenden“ (De Ridder & Jorzik, 2012, S. 34) zu beobachten: Neben der fachlichen Heterogenität aufgrund unterschiedlicher Bachelorabschlüsse und Berufspraxis gilt es, heterogene Lernbiographien sowie berufliche und familiäre Verpflichtungen bei der Gestaltung der Studienangebote angemessen zu berücksichtigen (Seidel, 2014). Hieraus ergeben sich neue Anforderungen u.a. an den Lernraum (Entkopplung von Lehr- und Lernort) und an die Gestaltung von Lernangeboten, Betreuung und Prüfungen (Einbeziehung der Heterogenität; u.a. Matthé, 2014). Viele Hochschulen setzen hier auf mediengestützte Lösungen (vgl. Rensing & Trahasch, 2014, S. 5-76). Auch an der Freien Universität Berlin wird der Einsatz von Blended-Learning in Masterstudiengängen als eine Aktivität im Projekt LEON[1] ausgebaut. Im Folgenden beschreiben wir die zentralen Anwendungsfelder für Blended-Learning in Masterangeboten, Maßnahmen zur Verankerung sowie, anhand von Beispielen im Umgang mit fachlicher Heterogenität, Auswirkungen auf die Lehrpraxis.

2     Blended-Learning im Master: Nutzung und Potenziale

3 Leave a comment on Absatz 3 0

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4 Leave a comment on Absatz 4 0
Eine Befragung, die im Juni 2013 unter Studierenden konsekutiver Masterstudiengänge der Freien Universität durchgeführt wurde (Blüthmann et al., o.J.)[2], gibt Einblicke in die tatsächliche E-Learning-Praxis in Masterangeboten: Einzig die Bereitstellung von Kursmaterialien wurde regelmäßig genutzt und von den Studierenden als „eher hilfreich“ angesehen. Weitere E-Learning-Angebote waren den Masterstudierenden überwiegend unbekannt bzw. werden überwiegend nicht genutzt. So erlebten nur wenige Studierende Online-Betreuung (24%); multimediales Material (20% bzw. 16%) und mobile Lernformate sind weitgehend ungenutzt (vgl. Abb.1).

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Abb. 1: Nutzung und Einschätzung der Nützlichkeit der E-Learning-Angebote in konsekutiven Mastern der Freien Universität (Blüthmann et al., o.J., S. 52), N = 2187

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Sind Vorbehalte gegenüber dem Format bzw. den Technologien, Unkenntnis des didaktischen Potenzials oder das Fehlen adäquater E-Learning-Lösungen Grund für die eingeschränkte Nutzung? 2013 wurde am Center für Digitale Systeme (CeDiS) eine Bestandsaufnahme zum Blended-Learning in konsekutiven und weiterbildenden Masterstudiengängen durchgeführt, um Verbreitung, mögliche Anwendungsfelder, erprobte Good-Practice-Beispiele sowie Einstellungen der Lehrenden zu identifizieren. Die Bestandsaufnahme erfolgte in Form einer Literatur- und Internetrecherche sowie in Gesprächen mit KoordinatorInnen und Lehrenden der Studiengänge. Aus den Gesprächen ging hervor, dass in nur wenigen Masterstudiengängen die Anwendungsbereiche und Potenziale von Blended-Learning für die Gestaltung von Lehr-/Lernsituationen in ihrer Vielfalt bekannt sind.[3] Dieses deckt sich mit den Ergebnissen der Befragung (vgl. Abb. 1) und begründet die Einführung entsprechender Unterstützungsangebote für Masterstudiengänge. In einem ersten Schritt wurden fünf potenzielle Anwendungsfelder für Blended-Learning in Masterangeboten der Freien Universität identifiziert: Internationalisierung, Anwendungsorientierung, Forschungsorientierung, Flexibilisierung und Heterogenität, die jeweils durch spezifische E-Learning-Angebote unterstützt werden (vgl. Abb. 2).
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7 Leave a comment on Absatz 7 0 Abb. 2: Anwendungsfelder und Einsatzformen von Blended-Learning in Masterstudiengängen der Freien Universität Berlin

3     Verankerung von Blended-Learning im Master

8 Leave a comment on Absatz 8 0 An der Freien Universität wurden seit 2013 verstärkt Maßnahmen zur Unterstützung der Masterangebote implementiert. Damit sollte Blended-Learning stärker als bisher in Masterprogrammen verankert werden, um den Herausforderungen durch u.a. zunehmende Internationalisierung, Flexibilisierung und Heterogenität besser begegnen zu können. Unter Einbeziehung der Ergebnisse aus Befragung und Bestandsaufnahme wurden folgende Ressourcen und Angebote geschaffen:

9 Leave a comment on Absatz 9 0 ·    Umfangreiche Beispielsammlung: Videos zu Good-Practice-Beispielen im Master entlang der fünf Anwendungsfelder[4]; Wiki mit fachspezifischen Blended-Learning-Szenarien[5]; Szenarien-Sammlung auf der Webseite[6].

10 Leave a comment on Absatz 10 0 ·    E-Learning-Infrastruktur: Ergänzung der zentralen Systeme (LMS, Wiki, Blog, E-Exams) um Adobe Connect und webbasierte CRS.

11 Leave a comment on Absatz 11 0 ·    Beratungsangebot: Ansprache und bedarfsorientierte Beratung der Lehrenden zu didaktischen und technologischen Fragen sowie Unterstützung beim Einsatz der Werkzeuge und der Entwicklung von Lernmaterial.

12 Leave a comment on Absatz 12 0 ·    Fortbildung: Etablierung der Reihe „Blended-Learning in Masterstudiengängen“[7]; bedarfsorientierte Webinare und Workshops, Online-Lernmodule.

13 Leave a comment on Absatz 13 0 ·    Vernetzung: Vernetzung initiieren über die Veranstaltungsreihe zu Blended-Learning im Master, das o.g. Wiki und fachspezifische Veranstaltungen.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 ·    Anreizsysteme: Finanzielle Unterstützung bei der Integration von Blended-Learning in Masterangebote durch das E-Learning-Förderprogramm.

15 Leave a comment on Absatz 15 0 ·    Verankerung: Aufnahme von Blended-Learning als Lernform in die Studien- und Prüfungsordnung einzelner Masterstudiengänge.

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Mit diesen Angeboten unterstützt CeDiS Masterstudiengänge darin, ihr Studienangebot flexibler und passgenauer zu gestalten. Z.B. wird Internationalisierung an der Freien Universität vor allem durch den Einsatz von Web- und Videokonferenzen ermöglicht:[8] Seminare können standortübergreifend über Adobe Connect angeboten und Auslandssemester mit Blog, Wiki und Adobe Connect betreut und dokumentiert werden. Blended-Learning-Formate zur Flexibilisierung der Masterangebote reichen von multimedialen Lernmodulen und virtuellen Bibliotheken über Online-Präsentation und -Kollaboration bis hin zu komplexen Teleteaching-Szenarien (Webmeetings oder auch virtuelle Welten).[9]

4     Blended-Learning im Umgang mit fachlicher Heterogenität

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Der Umgang mit und die Nutzung von fachlicher Heterogenität wurden in der Bestandsaufnahme als eine zentrale Herausforderung beim Lehren, Betreuen und Prüfen im Master genannt: In Masterangeboten treffen Studierende mit einem Bachelorabschluss unterschiedlicher Universitäten und Fachrichtungen[10] aufeinander, die zudem verschiedene Berufserfahrungen aufweisen. Von den Ansätzen zum Umgang mit Heterogenität, der äußeren Differenzierung durch z.B. Selektion und der Binnendifferenzierung (Scholz, 2007), ist im Masterbereich vor allem Letztgenanntes relevant. An der Freien Universität wird vermehrt versucht, durch den Einsatz mediengestützter Formate Lernangebote sowie Beratungs- und Betreuungsangebote im Sinne der Binnendifferenzierung an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Lernenden anzupassen. Zwei Beispiele illustrieren den derzeitigen Stand:

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Studierende des Masterstudiengangs „Neogräzistik“[11] sind eine heterogene Gruppe hinsichtlich des Kenntnisstands der neugriechischen Literaturgeschichte und der Lernkultur. Für das Modul „Neugriechische Literaturgeschichte“ wurde daher ein vierstufiges Blended-Learning-Konzept entwickelt, welches diese Vielfalt produktiv für den Lernprozess nutzt: (1) Diagnostische Trainingstests mit verlinkten Lernhilfen steuern das selbständige Lernen und ermitteln Wissenslücken; (2) formative Selbsttests dienen der Wissensüberprüfung kurz vor Seminarbeginn und lassen (3) zu, dass weiterführende Themen in den Seminarsitzungen erst dann bearbeitet werden, wenn das erforderliche Basiswissen erworben wurde. (4) Im Seminarwiki werden Lernaktivitäten dokumentiert und Aufgaben zur Vor- oder Nachbereitung zur Verfügung gestellt. Das Blended-Learning-Konzept fördert kooperative Arbeitsformen und ist im Curriculum verankert.

19 Leave a comment on Absatz 19 0 Das Modul „Schulpraktische Studien“ des konsekutiven „Master of Education“ der romanischen Sprachen[12] illustriert den Umgang mit fachlicher Heterogenität in der Betreuung der Studierenden. Die Studierenden gehen aufgrund uneinheitlicher Studiumsverläufe mit heterogenen fachlichen und methodisch-didaktischen Vorkenntnissen in das vierwöchige Schulpraktikum. Zusätzlich variieren die Anforderungen je nach Schulform, Klassenstufe, Fach und Unterstützung durch die Schule. Durch individuelle Betreuung im Forum des LMS können Lehrende gezielt auf heterogene Vorkenntnisse der Studierenden eingehen. In offenen Foren tauschen sich die Studierenden zu Unterrichtserfahrungen, methodischen Tipps und Material aus und profitieren so von heterogenen Wissensständen. Das Teilen der Wochenberichte im Forum ermöglicht zeitnahes Feedback und den fachübergreifenden Erfahrungsaustausch. So werden heterogene Kenntnisse und Interdisziplinarität produktiv für den Lernprozess genutzt, ohne dass eine vorherige Angleichung erfolgt.

5     Ausblick

20 Leave a comment on Absatz 20 0 Während einzelne Masterstudiengänge an der Freien Universität bereits erfolgreich komplexe Blended-Learning-Formate im Umgang mit Internationalisierung, Anwendungsorientierung, Forschungsorientierung, Flexibilisierung und Heterogenität einsetzen, konnte die gewünschte Breitenwirkung noch nicht erzeugt werden. Zwar werden die Potenziale, die E-Learning für die flexible und passgenaue Gestaltung von Studienbedingungen und Lehr-/Lernsituationen bietet, anerkannt, aber der (initiale) Aufwand bei der Gestaltung mediengestützter Lehr-/Lernangebote und der Einführung und Nutzung der Technologien gepaart mit dem hohen Betreuungsaufwand stehen einer breiteren Etablierung entgegen. Es liegt am Engagement der Hochschulen, hier weitere Anreize zu schaffen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit durch qualitativ hochwertige Masterangebote zu sichern und langfristig zu steigern. Die Beispiele zum Umgang mit fachlicher Vielfalt und Interdisziplinarität beschreiben Ansätze auf Ebene der Lehr-/Lern- und Betreuungsangebote. Für Prüfungen, z. B. über Online-Lerntagebücher oder E-Portfolios, liegen an der Freien Universität noch keine Erfahrungen vor. Hier müssen zunächst technische Voraussetzungen (z.B. durch Einführung einer E-Portfolio-Software) geschaffen werden.

Literatur

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Blüthmann, I., Nitschke, A. K., Rottach, A. & Watermann, R. (o. J.). Ergebnisse der Befragung der Studierenden in den konsekutiven, nicht-lehramtsbezogenen Masterstudiengängen an der Freien Universität Berlin. Sommersemester 2013. Berlin: Arbeitsstelle Lehr- und Studienqualität, FB Erziehungswissenschaft und Psychologie, Freie Universität Berlin. http://www.fu-berlin.de/universitaet/entwicklung/ qualitaetsmanagement/ zentrale_evaluationen/ masterbefragung/bericht-masterbe fragung-2013.pdf?1410432592

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Matthé, F. (2014). Studierendenorientierung in E-Teaching-Konzepten. Magisterarbeit. Universität Potsdam.

23 Leave a comment on Absatz 23 0 Rensing, C. & Trahasch S. (2014). Proceedings of DeLFI Workshops 2014. Freiburg, Germany, September 15, 2014 (S. 5-76) (Beiträge des Workshops Blended-Learning in Masterstudiengängen – Szenarien, Werkzeuge, Supportstrukturen). http://ceur-ws.org/Vol-1227/

24 Leave a comment on Absatz 24 0 Ridder, de D. & Jorzik, B. (2012). Vielfalt gestalten. Kernelemente eines Diversity-Audits für Hochschulen. http://www.stifterverband.info/ publikationen_und_podcasts/positionen_dokumentationen/vielfalt_gestalten/vielfalt_gestalten.pdf

25 Leave a comment on Absatz 25 0 Scholz, I. (2007). Es ist normal, verschieden zu sein – Unterrichten in heterogenen Klassen. In I. Scholz (Hrsg.), Der Spagat zwischen Fördern und Fordern: Unter-richten in heterogenen Klassen (S. 7-23). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

26 Leave a comment on Absatz 26 0 Seidel. S. (2014). Defizitär oder produktiv. Die Heterogenität der Studierenden. die Hochschule, 2, 6-21.

27 Leave a comment on Absatz 27 0 Thiel, F., Blüthmann, I., Ficzko, M. & Lepa, S. (2006). Ergebnisse der Befragung der Studierenden in den Bachelorstudiengängen an der Freien Universität Berlin – Sommersemester 2006. Berlin: Freie Universität.



28 Leave a comment on Absatz 28 0 [1] LEON – Learning Environment Online (http://www.cedis.fu-berlin.de/cedis/projekte/leon/) ist ein Teilprojekt der Initiative SUPPORT (http://www.fu-berlin.de/sites/qualitaetspakt/) an der Freien Universität Berlin, gefördert aus Mitteln des Qualitätspakts Lehre (BMBF, 2012-2016).

29 Leave a comment on Absatz 29 0 [2] Ziel der Befragung war es, Ergebnisse für eine datengestützte Optimierung von Strukturen und Prozessen in Studium und Lehre zur Verfügung zu stellen. Der Fragebogen wurde auf Grundlage des von Thiel et al. (2006) entwickelten theoretischen Modells zur Erklärung des Studienerfolgs konstruiert.

30 Leave a comment on Absatz 30 0 [3] An der Freien Universität setzten 2013 von 68 konsekutiven Masterstudiengängen 19 nachweislich auf Blended-Learning, von den 21 weiterbildenden Masterangeboten sind es 11.

31 Leave a comment on Absatz 31 0 [4] http://www.cedis.fu-berlin.de/e-learning/beratung/blended_learning_master/veranstaltungsreihe/

32 Leave a comment on Absatz 32 0 [5] http://wikis.fu-berlin.de/x/Q4F-Gg und http://wikis.fu-berlin.de/display/icm

33 Leave a comment on Absatz 33 0 [6] http://www.cedis.fu-berlin.de/e-learning/beratung/blended_learning_master/index.html

34 Leave a comment on Absatz 34 0 [7] http://www.cedis.fu-berlin.de/e-learning/beratung/blended_learning_master/veranstaltungsreihe/

35 Leave a comment on Absatz 35 0 [8] Vgl. die Beschreibungen der Umsetzung standortübergreifender Lehre durch R. Rehor und U. Rendtel (beide Freie Universität Berlin) unter http://www.cedis.fu-berlin.de/e-learning/beratung/blended_learning_master/veranstaltungsreihe/oktober-2014/index.html.  

36 Leave a comment on Absatz 36 0 [9] In interdisziplinären, weiterbildenden Mastern wie Visual Anthropology (http://www.master.fu-berlin.de/visual-anthropology), East European Studies (http://www.ees-online.org/), M.A. Childhood Studies and Children’s Rights (http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/weitere/enmcr/) 

37 Leave a comment on Absatz 37 0 [10] Z.B. in den oben genannten interdisziplinären Masterstudiengängen.

38 Leave a comment on Absatz 38 0 [11] Vgl. http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we02/institut/studium/ma/ma_neograezistik/.

39 Leave a comment on Absatz 39 0 [12]Vgl. Vortrag von  Caspari & Deutsch (beide Freie Universität) unter http://www.cedis.fu-berlin.de/e-learning/beratung/blended_learning_master/veranstaltungsreihe/okt2013/.

Quelle:http://2015.gmw-online.de/210/?replytopara=30