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Educamp-Workshop: Angewandte Improvisation. Belebende Impulse für die dialogorientierte Gestaltung von Online- und Offline-Vorbereitungs- bzw. Präsenzphasen

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Christian F. Freisleben-Teutscher

Zusammenfassung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Ansätze und Methoden der Angewandten Improvisation greifen Jahrtausende alte Traditionen des Agierens und des von- und miteinander Lernens auf verschiedensten (Handlungs-)Bühnen in allen Lebensbereichen auf. Sie haben u. a. das Potential, Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden zu initiieren und zu fördern. Im Workshop – zu dem es im Sinn des Inverted/Flipped Classrooms auch Vorbereitungsimpulse und die Einladung zum gemeinsamen Weiterarbeiten gibt – werden verschiedene Methoden vorgestellt, die sowohl offline als auch online einsetzbar sind. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei, wie sich diese didaktisch sinnvoll in Konzepte von Lehrveranstaltungen integrieren lassen und gleichzeitig Räume und Zeiten für eine ausführliche Reflexion, ein Debriefing, mit berücksichtigt werden können.

1     Überblick zu Angewandter Improvisation

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Schon im Mimus, dem griechischen Theater im zweiten Jahrhundert v. Chr., setzten SchauspielerInnen auch auf spontane Einlagen und Improvisationen. Anspielungen auf tagespolitische Themen und Personen brachten schon damals Verbindungen zwischen dem Geschehen auf einer Theaterbühne und jenem auf den verschiedenen Lebensbühnen.[1] Noch deutlicher sichtbar wird das in der Commedia dell’ arte des 16. Jahrhunderts, bei dem Spielende auch über aktuelle Ereignisse oder gesellschaftliche Entwicklungen reflektierten. Es handelte sich hierbei um Ursprünge einer Form ästhetischer Bildung im Sinne von Schiller (Wrentschur, 2014). Dazu  folgendes Zitat, das eine Grundidee von Angewandter Improvisation beschreibt „Die Veränderung der Wahrnehmungsperspektive ist der Beginn der Veränderung der Wirklichkeit“ (Jäger & Kuckhermann, 2004, S. 14).

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Schon in der Zeit 500 v. Chr. war Partizipation ein wesentlicher Aspekt des Theaters bsp. in Griechenland. Darunter ist eine aktive Mitwirkung von Zusehenden zu verstehen, die in unterschiedlicher Intensität diese Rolle verlassen und sich selbst am Geschehen beteiligen und damit gleichzeitig in Lernprozesse eintreten (Feldhoff, 2009).

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Jacob Levy Morano entwickelte in den 1920er Jahren das Stehgreiftheater (Lösel, 2013), beschäftigte sich intensiv mit der Überwindung des Konzepts des Zuschauenden und etablierte gleichzeitig Formen des gemeinsamen spielenden Lernens. Diese Ansätze wurden in den 6oer-Jahren von Pionieren des Improvisationstheaters, wie Viola Spolin und Keith Johnstone, aufgegriffen. Ebenso wesentliche Beiträge zur Praxis der Angewandten Improvisation leistete ausgehend von diesen Grundlagen Augusto Boal. Nicht nur diesen dreien war auch das Lernen durch das miteinander Tun ein wesentliches Anliegen.

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Angewandte Improvisation ist mehr als Theater, mehr als eine große Zahl an Übungen – die Methoden tragen dazu bei, Bildungssettings dialogorientierter und lustvoller zu gestalten (Berk & Trieber, 2009). Gearbeitet wird u.a. mit Körperarbeit, Assoziationsspielen, bewusstem Gehen, Spiegeln, improvisierten Szenen und verschiedenen Verfremdungsmethoden.

2     Einsatz von Angewandter Improvisation

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Bei vielen Methoden der Angewandten Improvisation kann der Eindruck von Beliebigkeit entstehen, werden sie nicht gezielt eingesetzt, also orientiert an Lernzielen bzw. im Kontext mit anderen Methoden (Masemann & Messer, 2009). Des Weiteren ist ein entscheidendes Element die Reflexion über das Erlebte und den Prozess bzw. das im gemeinsamen Tun Entstandene.

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Im Educamp-Workshop werden daher verschiedene Methoden ausgetestet, wobei Teilnehmende im Vorfeld dazu eingeladen sind, konkrete Einsatzszenarien bzw. Lernziele einzubringen. Zudem werden Debriefing-Methoden (Tate, 2004) gezielt eingesetzt sowie miteinander weiter entwickelt. Davon ausgehend wird an Ideen für Varianten und Einsatzfelder der Methode gearbeitet – sowohl in Offline- als auch in Online-Lernräumen.

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Als Hintergrundmaterial wird auf ein (aktuell im Entstehen begriffenes) Wiki verwiesen, in dem sich Methoden aus der Angewandten Improvisation sowie Einsatzmöglichkeiten sowohl in Offline- als auch in Online-Lernsettings finden. Die Teilnehmenden werden eingeladen, sich an der Weiterentwicklung aktiv zu beteiligen. Der Workshop versteht sich gleichzeitig als Methode der aktiven Forschung zur Nutzung von Angewandter Improvisation in der Didaktik sowie als Teil meines Weges zu einer Dissertation zu diesem Thema.

Literatur

9 Leave a comment on Absatz 9 0 Berk, R. & Trieber, R. (2009). Whose classroom is it anyway? Improvisation as a teaching tool. http://www.ronberk.com/articles/improv.pdf

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Feldhoff, S. (2009). Zwischen Spiel und Politik Partizipation als Strategie und Praxis in der bildenden Kunst. Unveröff. Dissertation. Berlin: Universität der Künste, Fakultät für Bildende Kunst.

11 Leave a comment on Absatz 11 0 Jäger, J. & Kuckhermann, R. (2004). Ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit: Wahrnehmung, Gestaltung und Kommunikation. Weinheim: Beltz Juventa.

12 Leave a comment on Absatz 12 0 Lösel, G. (2013). Das Spiel mit dem Chaos: Zur Performativität des Improvisationstheaters. Bielefeld: transcript.

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Masemann, S., & Messer, B. (2009). Improvisation und Storytelling in Training und Unterricht. Weinheim: Beltz.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 Tate, S. (2004). Using critical reflection as a teaching tool. http:// www.health.heacademy.ac.uk/lenses/occasionalpapers/col10004/m10126.html

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Wrentschur, M. (2014). Politisch-partizipative Theaterarbeit: ästhetische Bildung und politische Beteiligung. „Ästhetische Erziehung“ im Digitalzeitalter. Magazin erwachsenenbildung.at, 22, 301-310.



16 Leave a comment on Absatz 16 0 [1] http://www.theatrum.de/2066.html

Quelle:http://2015.gmw-online.de/207/?replytopara=3