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Inverse Blended Learningbei „Gratis Online Lernen“- über den Versuch, einen Online-Kurs für Viele in die Lebenswelt von EinsteigerInnen zu integrieren

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Martin Ebner, Sandra Schön, Kathrin Käfmüller

Zusammenfassung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Unter der Abkürzung MOOC werden Online-Kurse verstanden, die sich potentiell an viele hundert TeilnehmerInnen richten. Auch der Kurs „Gratis Online Lernen“ ist auf den ersten Blick ein reines Online-Angebot. Da es sich bei der Zielgruppe um EinsteigerInnen beim Lernen handelt, wurde jedoch besonderer Wert darauf gelegt, den Kurs mit der Lebenswelt der TeilnehmerInnen zu verknüpfen. Die entsprechenden Aktivitäten des so bezeichneten „Inverse-Blended-Learning-Konzeptes“ führten zu einer beträchtlich hohen Abschlussquote: Von den bis Dezember 2014 849 registrierten TeilnehmerInnen wurden 383 mindestens einmal im Kurs aktiv, und von diesen wiederum haben 115 (30%) den Kurs erfolgreich abgeschlossen.

1     Einleitung

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Der kostenlose Online-Kurs „Gratis Online Lernen“ sollte Interessierte beim Einstieg in das Lernen mit kostenfreien Angeboten im Internet unterstützen. Der Kurs versprach Tipps und Tricks für das erfolgreiche Selbstlernen im Internet und wurde von Oktober bis Dezember 2014 auf der MOOC-Plattform imoox.at durchgeführt. Da sich der Kurs an AnfängerInnen wendete und damit eine Zielgruppe erreicht werden sollte, die sich kaum durch ein Online-Angebot ansprechen lässt, wurde bei der Kursplanung und -durchführung versucht, das Kursangebot möglichst in die Lebenswelt potentieller TeilnehmerInnen zu integrieren. Es wurde nicht wie so oft versucht, herkömmliche Präsenzseminare durch Online-Aktivitäten zu erweitern (engl. „blended learning“, auf Deutsch „vermischtes Lernen“), sondern in diesem Fall der umgekehrte Weg gegangen: Ein reines Online-Angebot sollte so umgesetzt werden, dass es sich möglichst auch mit der Lebenswelt von EinsteigerInnen vermischen kann. Wie die Idee des „Inverse Blended Learning“ ausgesehen hat und umgesetzt wurde, wird in diesem Beitrag vorgestellt.

2     Das Konzept des Kurses „Gratis Online Lernen“ als xMOOC

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Didaktisch-methodisch erfolgte die Aufbereitung des Kurses als sog. MOOC (engl. Massive Open Online Course), d.h. als ein offener Kurs für sehr viele (McAuley et al., 2010). Als „massive“ werden OOCs bezeichnet, wenn sie die sogenannte Dunbar-Zahl überschreiten, welche die Zahl der sozialen Kontakte angibt, die das menschliche Gehirn verarbeiten kann. Diese Zahl liegt ungefähr bei 150. MOOCs kennzeichnet, dass sie offene Kurse sind. Das bedeutet, dass es für sie keine Zugangsbeschränkungen gibt. Die Teilnahme an MOOCs ist meist kostenfrei, wobei durchaus Gebühren für Prüfungen bzw. Prüfungsleistungen und deren Zertifizierung anfallen können (zu Geschäftsmodellen von MOOCs vgl. Fischer et al., 2014). Diese Kurse finden demzufolge ausschließlich online statt und das gewählte Konzept entspricht dem Modell eines xMOOC, worunter darbietungsorientierte Online-Kurse für viele verstanden werden (Wedekind, 2013). Bei ihnen werden Lernvideos und Materialien zum Selbstlernen in Kursform angeboten. Eine intensive Betreuung und Kooperation der Lernenden ist dabei vor allem auch aus Kostengründen nicht wesentlicher Bestandteil (Lackner et al., 2014). Der Austausch der LernerInnen untereinander wird aber z.B. durch Foren unterstützt. Diese soziale Komponente wird bei MOOCs als Mehrwert gegenüber individuellen, rein modular angebotenen Selbstlernmaterialien betrachtet. Das Konzept des xMOOCs an sich setzt „hohe Medien-, Informations- und Selbstlernkompetenz voraus“ (Wedekind, 2013, S. 53). Um die Hürden geringer zu halten, wurde bei diesem Kurs auf Kooperationen mit Partnereinrichtungen und auf zusätzliche (soziale) Angebote gesetzt.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Der Kurs „Gratis Online Lernen“ sollte über einen Zeitraum von acht Wochen den TeilnehmerInnen eine Einführung in das Selbstlernen mithilfe des Internets bieten. Jede Woche wurde eine neue Einheit freigeschaltet, in der mittels Videos eine Einführung in die jeweilige Thematik geboten wurde. Die Videos waren dabei handgezeichnete, teils animierte Filme im Stile von Erklärvideos (vgl. Schön & Ebner, 2013, vgl. Abbildung 1).

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Abbildung 1: Eindrücke der Gestaltung der Videos (Einführungsvideo 1. Einheit)

7 Leave a comment on Absatz 7 0 In einem zusätzlich angebotenen Arbeitsheft, das sowohl in ausgedruckter Form als auch online verfügbar war, befanden sich weiterführende Hinweise und Übungen zu jeder Kurseinheit. Des Weiteren wurden im Forum Fragen bzw. Arbeitsaufträge von der Kursleitung gestellt, um den Austausch zwischen den TeilnehmerInnen zu fördern. Es gab auch die Möglichkeit eine kostenlose Teilnahmebestätigung zu erhalten, wenn die wöchentlichen Quiz positiv bestanden wurden und am Ende ein Feedbackformular ausgefüllt wurde. Um das Lösen der Quiz zu erleichtern, wurde bei falscher Beantwortung einer Frage ein Hinweis angezeigt. Somit wurde ein besseres Abschneiden beim Wiederholen des Quiz gefördert.

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Technisch wurde der Kurs auf der MOOC-Plattform imoox.at angeboten und durchgeführt (Kopp & Ebner, 2013).

3     Inverse Blended Learning

9 Leave a comment on Absatz 9 0 Mit dem Kurs sollten vor allem Bildungsferne (Personen mit niedrigem Bildungsniveau) erreicht werden, die nicht viel Erfahrungen mit dem Selbstlernen im Internet hatten. Um diese Zielgruppe mit einem Online-Angebot besser ansprechen zu können, wurde das „Inverse-Blended-Learning-Konzept“ eingeführt.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Was bedeutet „Inverse Blended Learning“? Bei der Kursplanung wurde diskutiert, wie man die Zielgruppe erreicht und welche Angebote man machen sollte, damit sie auch erfolgreich teilnimmt. Dabei ist aufgefallen, dass alle Maßnahmen etwas damit zu tun haben, dass man den Kurs in die „Präsenz“-Welt holt. Beispielsweise entstand die Idee eines gedruckten Arbeitshefts, damit „der Kurs“ noch „da“ ist, auch wenn man sich als AnfängerIn mal im Browser vertippt „und alles weg ist“. Es handelt sich dabei jedoch nicht ausschließlich um „Offline-“ Aktivitäten, da es auch hilfreich ist, andere lebensweltnahe Internet-Kanäle und Angebote zu nutzen. Die AutorInnen haben also eine umgekehrte Version des „Blended Learning“ (Reinmann, 2005) genutzt, indem ein reines Online-Angebot mit Offline-Materialien und -Angeboten angereichert wurde (vgl. Abbildung 2).

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Abbildung 2: Blended Learning und Inverse Blended Learning

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Wie man Online-Kurse in die Lebenswelt bringt: Beispiele. Mittlerweile gibt es viele MOOCs, bei denen sich lokale Lerngruppen gebildet haben, damit die TeilnehmerInnen über die Inhalte des Kurses diskutieren, ihre Erfahrungen austauschen und die Aufgaben gemeinsam erledigen können. Es ist aber schwierig über die MOOC-Plattformen andere TeilnehmerInnen kennenzulernen und sich mit ihnen regional zu vernetzen. Die Foren sind oft unübersichtlich und es gibt kaum Werkzeuge, die eine Vernetzung ermöglichen (Bruff, 2013). Um eine Vernetzung zu erreichen, versuchen manche Ersteller von MOOCs mit Anbietern von lokalen Lerngruppen zusammen zu arbeiten. So werden beispielsweise von Coursera weltweit „Learning Hubs“ veranstaltet. Solche Learning Hubs bieten einen Internetzugang, bei dem Interessierte an Online-Kursen teilnehmen können. Außerdem werden hierbei interaktive Lerngruppen veranstaltet.[1] Ein Beispiel für einen Anbieter solcher Learning Hubs ist die New York Public Library, die solche Treffen organisiert und ausgebildete Fachkräfte zur Unterstützung bereitstellt (Kolowich, 2014). Damit das Lernen auch mit der Lebenswelt der TeilnehmerInnen verknüpft wird, wurden MOOCs auch mit den sozialen Medien verknüpft. So gibt es beispielsweise für zahlreiche MOOCs eigene Gruppen auf Facebook oder Google+. Außerdem wurden auch von einigen eigene Hashtags eingeführt, um auf den MOOC insbesondere auf Twitter aufmerksam zu machen.

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Überblick über die Aktivitäten bei „Gratis Online Lernen“. Der Kurs „Gratis Online Lernen“ möchte möglichst gut seine Zielgruppe erreichen – und dazu viele PartnerInnen einbinden. Die Maßnahmen dazu werden im Folgenden vorgestellt:

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Grundlage für Vernetzung und Partnerschaften: Offene Lizenzierung der Materialien. Damit unkompliziert Partnerschaften eingegangen werden können, wurden alle Materialien selbst erstellt und unter der offenen Creative-Commons-Lizenz „CC BY“ zur Verfügung gestellt. Alle Kursmaterialien sind daher sogenannte offene Bildungsressourcen (engl. Open Educational Resources, kurz OER)(vgl. Mruck et al., 2013). Dies erlaubt eine freie Nutzung,  Veränderung und Wiederveröffentlichung aller Bestandteile der Videos, der Arbeitsmaterialien sowie der Fragen der Quizzes (soweit es sich nicht um externe Materialien handelt, dann gelten die jeweiligen Bedingungen). Eine nachhaltige Nutzbarkeit und Nutzung ist somit möglich, auch über die Kurs- und Projektlaufzeit von iMooX hinaus. Die offene Lizenzierung ist übrigens (leider) kein Merkmal von sogenannte MOOCs. Auch wenn sie das Wort „offen“ beinhalten, wird hiermit nur der hürdenfreie Zugang zum Kurs gemeint (vgl. Ebner et al., 2014).

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Gedrucktes bzw. druckbares Material zum Kurs. Damit den TeilnehmerInnen nicht nur online Lernmaterialien zur Verfügung stehen, sondern sie diese auch „in die Hand nehmen“ können, wurde ein Arbeitsheft zu diesem Kurs gestaltet. Dieses Arbeitsheft konnte zu Hause ausgedruckt oder auch in bereits gedruckter Form an zahlreichen Ausgabestellen in Österreich und Deutschland gratis abgeholt werden. Diese Ausgabestellen waren in einem Hotel und in verschiedenen Bildungseinrichtungen zu finden. Das Heft wurde unter eine Creative-Commons-Lizenz gestellt, die es auch ermöglichte, dieses Arbeitsheft kommerziell zu nutzen und zu verändern.

19 Leave a comment on Absatz 19 0 Da sich der Kurs „Gratis Online Lernen“ vor allem an AnfängerInnen richtete, wurde darauf geachtet, die Sprache sehr einfach zu halten und fachspezifische Begriffe zu erklären. Um auch Personen mit diesem Kurs zu erreichen, die nur geringe Erfahrungen mit dem Internet haben, wurde zu Beginn des Arbeitsheftes Schritt für Schritt mithilfe von Screenshots erklärt, wie man sich bei iMooX registrieren und sich zu diesem Kurs anmelden kann. Passend zu den Einheiten lassen sich im Arbeitsheft Lernpläne anlegen und Lernziele notieren, auch sind Kreuzworträtsel und Rechercheaufträge enthalten (vgl. Abbildung 3).

20 Leave a comment on Absatz 20 0 image006.gifAbbildung 3: Einige Seiten des Arbeitshefts von „Gratis Online Lernen“

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Bildungsmarketing: Wie erreiche ich KursteilnehmerInnen außerhalb des Online-Kosmos? Damit nicht nur Personen auf diesen Kurs aufmerksam werden, die schon einige Online-Kurse besucht und mit dem Selbstlernen im Internet vertraut sind, wurde dieser Kurs auch offline beworben. Es gab zwar viele Hinweise auf diesen Kurs in den sozialen Medien und über Newsletter, aber damit auch andere Personen erreicht werden, die nicht regelmäßig online sind, wurde dieser Kurs auf eine für MOOCs eher untypische Weise beworben. An zwei Tagen wurde auf den Infoscreens in Grazer Bussen und Straßenbahnen eine Werbung für diesen Kurs geschaltet. Des Weiteren wurde in einem kostenlosen Kundenmagazin eines großen Elektronikfachmarktes auf den Kurs hingewiesen. Auch über die insgesamt 32 Ausgabestellen der Arbeitshefte wurde auf diesen MOOC aufmerksam gemacht. Dass man das Arbeitsheft dort gedruckt abholen konnte, sollte, wie oben erwähnt, dafür sorgen, das virtuelle Angebot auch als präsent zu erleben.

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Präsenztreffen, auch in bestehenden Strukturen. Online-Kurse bieten kaum Möglichkeiten, die anderen TeilnehmerInnen kennenzulernen. Oftmals gibt es zwar eine Vorstellungsrunde, aber eine Vernetzung untereinander findet nur in seltenen Fällen statt (Khalil & Ebner, 2013). Nach einem Aufruf meldeten sich 12 Freiwillige sowie Einrichtungen, die in Österreich und Deutschland Treffen für KursteilnehmerInnen angeboten haben. In diesen Präsenztreffen wurden Inhalte des Kurses „Gratis Online Lernen“ besprochen und vertieft. Im Laufe des Kurses entstand noch in Israel ein Stammtisch, da es auch dort einige TeilnehmerInnen an diesem Kurs gab. Einige dieser Präsenztreffen wurden auch noch nach Kursende weitergeführt.

23 Leave a comment on Absatz 23 0 Virtuelle Begleitangebote. Neben den Präsenztreffen gab es auch Online-Möglichkeiten zum Austausch durch Begleitangebote. Hierbei fanden in drei verschiedenen bereits bestehenden Netzwerken wöchentliche Treffen statt. Zwei dieser Angebote befassten sich mit den Fragen der TeilnehmerInnen, die während der Lektüre der Kurseinheiten entstanden. In diesem geschützten Rahmen fiel es den TeilnehmerInnen leichter ihre Fragen zu stellen, als in einem Forum mit mehreren hundert LeserInnen.

4     Vorgehen bei der Bewertung des „Inverse-Blended-Learning-Konzepts“

24 Leave a comment on Absatz 24 0 Zur allgemeinen Evaluation des Angebots und insbesondere zur Bewertung des „Inverse-Blended-Learning-Konzepts“ wurden auf unterschiedliche Weise Daten erhoben. So wurden alle TeilnehmerInnen bei der Anmeldung nach ihren Motiven befragt (N = 849), im Rahmen jedes Tests am Ende der Einheit wurden zwei Fragen zum Kurs gestellt und am Ende um eine abschließende Rückmeldung gebeten (N = 146). Des Weiteren wurden zehn AnbieterInnen von Zusatzangeboten und KursteilnehmerInnen zu ihren Erfahrungen befragt. Da sich viele Personen an den Diskussionen im Forum beteiligt hatten, wurden auch diese Beiträge analysiert. Im nachfolgenden Abschnitt werden Teile der Ergebnisse dargestellt.

5     Ergebnisse

25 Leave a comment on Absatz 25 0 Ob und inwieweit die Überlegungen hinsichtlich der Möglichkeiten und Erfolge des „Inverse-Blended-Learning-Konzeptes“ eingetroffen sind, wird in diesem Abschnitt vorstellt.

26 Leave a comment on Absatz 26 0 Die TeilnehmerInnen im Überblick. Die TeilnehmerInnen wurden bereits im Video der ersten Einheit mehrfach auf das Forum und die darin enthaltenen Aufgabenstellungen hingewiesen. Um den Austausch und die Diskussion im Forum zu aktivieren, wurden zu jeder Einheit Fragen gestellt. Dadurch entstand eine rege Beteiligung.  In der ersten Einheit wurden die TeilnehmerInnen aufgefordert, sich vorzustellen und eventuell auch ihre Beweggründe für die Teilnahme an diesem Kurs zu nennen. 142 Personen (17%) beteiligten sich an dieser Vorstellungsrunde und viele Personen nannten hierbei auch ihr Herkunftsland (siehe Abbildung 6). 44 Personen (31%) waren aus Österreich, 38 (27%) aus Deutschland, 8 (6%) aus Russland und 3 (2%) aus der Schweiz. 20 Personen (14%) nannten anderen europäische, asiatische und südamerikanische Länder.

27 Leave a comment on Absatz 27 0 Mithilfe des Feedbackformulars konnte festgestellt werden, ob die angestrebte Zielgruppe der Bildungsfernen erreicht wurde. Da 94% der Personen, die ein Feedback lieferten, mindestens eine Hochschulreife bzw. eine abgeschlossene Berufsausbildung hatten und AkademikerInnen mit 64% eindeutig überwogen, kann festgehalten werden, dass dies nur bedingt gelungen ist.

28 Leave a comment on Absatz 28 0 Aktivität und Abschluss beim Kurs. Die Beteiligung an den Forumsdiskussionen war in der ersten Einheit mit 194 Beiträgen sehr hoch und sank danach stark, vor allem ab der fünften Kurseinheit gab es nur noch maximal 17 Beiträge pro Einheit. In der ersten Einheit nutzten 142 Personen die Möglichkeit sich mit ihren KollegInnen über das Forum auszutauschen. Nur 24 (16%) der 146 Personen, die das Feedbackformular ausgefüllt haben, haben sich öfters als fünf Mal an den Diskussionen im Forum beteiligt. 68 Personen (47%) hingegen schrieben nach eigenen Angaben nie etwas in das Forum.

29 Leave a comment on Absatz 29 0 Am MOOC nahmen bis Ende Dezember 849 Personen teil, von denen 115 Personen (14%) eine Teilnahmebestätigung erhalten haben. Wenn man nur jene Personen als aktiv bezeichnet, die zumindest einen Fragebogen bzw. Quizz ausgefüllt haben, erhöht sich die Quote sogar auf beträchtliche 30%. Auch wenn die angestrebte Zielgruppe von völligen NeueinsteigerInnen und Nicht-AkademikerInnen bzw. Studierenden nur teilweise erreicht wurde, wurden mit diesem MOOC andere Erwartungen erfüllt. Bei vielen MOOCs wird die hohe Dropout-Rate oft kritisiert, da bei weitem nicht einmal 10% der angemeldeten TeilnehmerInnen den Kurs erfolgreich abschließen (vgl. Khalil & Ebner, 2014).

30 Leave a comment on Absatz 30 0 Bei der Anmeldung zu diesem MOOC wurde nach der Motivation für die Teilnahme gefragt. Es zeigt sich, dass die Abschlussquoten bei Personen, die angaben, dass sie am Ende eine Teilnahmebestätigung haben wollen (38% von 849) überdurchschnittlich sind (23%).

31 Leave a comment on Absatz 31 0 Rückmeldung zum Arbeitsheft. Die StammtischleiterInnen und TeilnehmerInnen waren sich einig, dass das Arbeitsheft für die Zielgruppe hilfreich sei. Von einem Anbieter eines Begleittreffens kam der Hinweis, dass die Personen der angestrebten Zielgruppe noch andere Lerngewohnheiten mitbringen. Früher lernten sie, indem sie sich beispielsweise Notizen im Heft machten und für diese Personen sei das Heft bestimmt eine große Erleichterung. Das Arbeitsheft diente demnach auch als Werbung. Die befragten Personen waren zudem einhellig der Meinung, dass das Heft viele hilfreiche Tipps und interessante Aufgaben enthalte. Es wurde meist als Leitfaden für die Begleitangebote verwendet. AnbieterInnen, deren Treffen eher AnfängerInnen besuchten, sahen das Arbeitsheft als motivierendes Begleitmaterial. Ein Anbieter war auch der Meinung, dass ein solches Heft immer bei Online-Kursen dabei sein sollte.

32 Leave a comment on Absatz 32 0 Am Ende des Kurses füllten 146 Personen das Feedbackformular aus. Darin gaben mehr als die Hälfte dieser Personen an, mit dem zur Verfügung gestelltem Unterrichtsmaterial sehr zufrieden zu sein. Ein Teilnehmender wies darauf hin, dass er das angebotene Begleitheft zwar gut fand, es aber lieber online verwendete. Denn dadurch hatte er die Möglichkeit die Schriftgröße zu verändern.

33 Leave a comment on Absatz 33 0 Wie wurden die Kursteilnehmer/innen erreicht? In dem Feedbackformular wurde auch danach gefragt, wie die TeilnehmerInnen auf diesen Kurs aufmerksam wurden. 49 Personen (34%) erfuhren von diesem Kurs durch persönliche Empfehlung aus dem Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis. Über Social-Media-Plattformen sind 40 Personen (27%) zu diesem Kurs gelangt. Nur 18 (12%) der 146 Personen wurden durch die iMooX-Plattform über diesen MOOC informiert. Aufgrund der Ausgabestellen beziehungsweise der Präsenztreffen und deren Bewerbung meldeten sich 26 Personen (18%) an.

34 Leave a comment on Absatz 34 0 In den öffentlichen Verkehrsmitteln in Graz wurde an zwei Tagen erstmals ein iMoox-Kurs beworben, was zu ca. 30 Neuanmeldungen im Kurs führte. Laut Resultaten des Feedbackformulars wurden aber keine der TeilnehmerInnen durch diese Werbung auf den Kurs aufmerksam. Diese bedeutet, dass es vermutlich niemand aus dieser Gruppe zu einem Abschluss brachte.

35 Leave a comment on Absatz 35 0 Präsenztreffen und virtuelle Begleitangebote. Es wurden zehn AnbieterInnen von Begleittreffen interviewt, wobei vier solcher Treffen aufgrund mangelnder Nachfrage nicht stattgefunden haben. Auf der Kursseite gab es einen eigenen Bereich mit einer Übersicht und Informationen zu den einzelnen Präsenztreffen. Diese Treffen wurden teilweise auch im Forum und auf den Homepages der VeranstalterInnen sowie in den sozialen Medien beworben. Für einen Stammtisch erfolgte die Bekanntmachung auch in lokalen Zeitungen, wobei dies nicht erfolgreich war. Zwei Präsenztreffen entstanden durch die persönliche Ansprache der VeranstalterInnen. Die Teilnehmerzahl der verschiedenen Präsenztreffen variierte sehr stark, wobei durchschnittlich ca. vier bis acht Personen anwesend waren. Bei einem Treffen war die Nachfrage so groß, dass parallel noch zwei andere hätten stattfinden können.

36 Leave a comment on Absatz 36 0 Die TeilnehmerInnen bei den Online-Begleittreffen wurden aufgrund von Newslettern innerhalb der vorhandenen Netzwerke darauf aufmerksam. Zwei dieser Begleitveranstaltungen richteten sich vor allem an LehrerInnen und das dritte an TrainerInnen. Zu einem dieser Begleitangebote gab es Anmeldungen aus 33 verschiedenen Ländern, was auch der Grund für die hohe Zahl der internationalen TeilnehmerInnen an dem deutschsprachigen Kurs ist.

37 Leave a comment on Absatz 37 0 Der im Vergleich zu anderen MOOCs hohe Prozentsatz von erfolgreichen Abschlüssen ist wohl auch im Zusammenhang mit den Begleitangeboten zu sehen: Am Ende führten mehr als die Hälfte von 155 Personen, die ein Feedback lieferten, an, dass sie ein Begleitangebot besucht hatten und dass es ihnen geholfen hatte.

6     Diskussion und Ausblick

38 Leave a comment on Absatz 38 0 Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass insbesondere die Begleitangebote eine sehr positive Auswirkung auf eine erfolgreiche Teilnahme hatten. Dies überrascht wenig, da gerade oftmals der Verlust von persönlichen Kontakten in Online-Settings beklagt wird.

39 Leave a comment on Absatz 39 0 Überraschend ist, dass die (ersten) PR-Versuche in öffentlichen Verkehrsmitteln sich nicht auf die TeilnehmerInnenzahl niederschlug: Die meisten TeilnehmerInnen wurden durch persönliche Empfehlungen auf den Social-Media-Plattformen, wie Facebook, Twitter und Google+, erreicht.

40 Leave a comment on Absatz 40 0 Offen bleibt, dass wir in diesem Fall nur von Personen wissen, die an dem Kurs teilgenommen haben – nicht, welche Auswirkungen das Arbeitsheft oder auch die Videos sonst haben (beides ist ja längerfristig verfügbar und kann auch anderweitig genutzt werden). Es ist auch nicht nachvollziehbar, inwieweit die zur Verfügung gestellten Materialien überarbeitet wurden, da es diese Möglichkeit aufgrund der Creative-Commons-Lizenz gibt.

41 Leave a comment on Absatz 41 0 Anhand des Feedbacks der TeilnehmerInnen und der AnbieterInnen der Begleitprogramme sowie der hohen Zahlen der erfolgreichen Abschlüsse kann gefolgert werden, dass das „Inverse-Blended-Learning-Konzept“ die Motivation der Teilnahme an MOOCs verstärkt. Daraus resultiert die Empfehlung, je nach Möglichkeiten auch bei anderen MOOCs ein solches Konzept zu verfolgen: Es könnten neue Wege der Bewerbung ergründet, durch andere Personen Begleittreffen organisiert und gedruckte Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt werden.

Literatur

42 Leave a comment on Absatz 42 0 Bruff, D. (2013). Second Week Reflections: Social Learning in a MOOC: https://my.vanderbilt.edu/vandymaps/2013/07/second-week-reflections-social-learning-in-a-mooc/

43 Leave a comment on Absatz 43 0 Ebner, M.; Kopp, M.; Wittke, A. & Schön, S. (2014). Das O in MOOCs – über die Bedeutung freier Bildungsressourcen in frei zugänglichen Online-Kursen. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, 52(1), 68-80.

44 Leave a comment on Absatz 44 0 Fischer, H.; Dreisiebner, S.; Franken, O.; Ebner, M.; Kopp, M. & Köhler T. (2014). Revenue vs. Costs of MOOC Platforms. Discussion of Business Models for xMOOC Providers, Based on Empirical Findings and Experiencs During Implementation of the Projekt iMooX. In ICERI2014 Proceedings, 7th International Conference of Education, Research and Innovation, Seville (Spain) 17.-19. November, 2014 (S. 2991-3000). Sevilla: IATED.

45 Leave a comment on Absatz 45 0 Khalil, H. & Ebner, M. (2013). Interaction Possibilities in MOOCs – How Do They Actually Happen? In International Conference on Higher Education Development (S. 1-24). Mansoura University, Egypt.

46 Leave a comment on Absatz 46 0 Khalil, H. & Ebner, M. (2014). MOOCs Completion Rates and Possible Methods to Improve Retention – A Literature Review. In Proceedings of World Conference on Educational Multimedia, Hypermedia and Telecommunications 2014 (S. 1236-1244). Chesapeake, VA: AACE.

47 Leave a comment on Absatz 47 0 Kolowich, S. (2014). N.Y. Public Library Plans Face-To-Face ’Classes’ for MOOC Students: http://edf.stanford.edu/readings/ny-public-library-plans-face-face-classes-mooc-students

48 Leave a comment on Absatz 48 0 Kopp, M. & Ebner, M. (2013), Bildung für alle! Neue gemeinsame Bildungsplattform der Universität Graz und der Technischen Universität Graz. Hamburger eLMagazin, 11, 54-56.

49 Leave a comment on Absatz 49 0 Lackner, E., Kopp, M. & Ebner, M. (2014). How to MOOC? – A pedagogical guideline for practitioners. In I. Roceanu (Hrsg.), Proceedings of the 10th International Scientific Conference „eLearning and Software for Education“ Bucharest, 24.-25. April, 2014. Editura Universitatii Nationale de Aparare “Carol I”.

50 Leave a comment on Absatz 50 0 McAuley, A., Stewart, B., Siemens, G. & Dave Cormier, D. (2010). Massive Open Online Courses Digital ways of knowing and learning, The MOOC model For Digital Practice, http://www.elearnspace.org/Articles/MOOC_Final.pdf (Zugriff: 15.01.2015).

51 Leave a comment on Absatz 51 0 Mruck, K., Mey, G., Schön, S., Idensen, H. & Purgathofer, P. (2013). Offene Lehr- und Forschungsressourcen. Open Access und Open Educational Resources. In S. Schön & M. Ebner (Hrsg.) Lernen und Lehren mit Technologien (L3T). Ein interdisziplinäres Lehrbuch, Berlin: epubli. http://l3t.eu

52 Leave a comment on Absatz 52 0 Reinmann, G. (2005). Blended Learning in der Lehrerbildung. Grundlagen für die Konzeption innovativer Lernumgebungen. Lengerich: Pabst.

53 Leave a comment on Absatz 53 0 Schön, S. & Ebner, M. (2013). Gute Lernvideos … so gelingen Web-Videos zum Lernen! Norderstedt: BoD.

54 Leave a comment on Absatz 54 0 Wedekind, J. (2013). MOOCs – eine Herausforderung für die Hochschulen?. In G. Reinmann, M. Ebner & S. Schön (Hrsg), Hochschuldidaktik im Zeichen von Heterogenität und Vielfalt (S. 45-62). Norderstedt: BoD.



55 Leave a comment on Absatz 55 0 [1] https://www.coursera.org/about/programs/learningHubs

Quelle:http://2015.gmw-online.de/197/?replytopara=2