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Und was bleibt? Nachhaltigkeitsfaktoren der mediengestützten Weiterbildung an Hochschulen

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Linda Heise, Helge Fischer

Zusammenfassung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Der vorliegende Artikel beleuchtet das Thema Nachhaltigkeit im Bereich der mediengestützten Weiterbildung. Ausgehend von der Frage, wie sich geförderte Bildungsangebote langfristig fortführen lassen, werden anhand einer qualitativen Studie Nachhaltigkeitsfaktoren identifiziert und charakterisiert. Befragt wurden ProjektkoordinatorInnen (N = 6) ESF-geförderter Weiterbildungsprojekte sächsischer Hochschulen. Die Befunde verweisen auf einzelne Maßnahmen zur Nachhaltigkeitssicherung innerhalb der Handlungsfelder Didaktik, Organisation, Technologie und Ökonomie.

1     Ausgangslage

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Hochschulen stehen vor der Herausforderung, die Bildungslandschaft entsprechend den Bedürfnissen, die mit der Notwendigkeit lebenslangen Lernens einhergehen, neu zu gestalten (vgl. Glotz, 2000, S. 10). Die Bedeutung wissenschaftlicher Weiterbildung nimmt durch wachsende Anforderungen an hochqualifizierte Fachkräfte, immer umfangreicheres Wissen sowie den rasanten technologischen und ökonomischen Fortschritt zu (vgl. Fischer et al., 2013). Mit dieser Entwicklung geht auch der zunehmende Einsatz neuer Medien in der Lehre (E-Learning) einher, welcher auf die Steigerung der Lehrqualität und -effizienz sowie die verstärkte Selbstständigkeit der Lernenden abzielt. Hochschulen können auf dem globalen Bildungsmarkt durch die Integration neuer Medien und ihrer Öffnung für lebenslanges Lernen und Weiterbildung konkurrenzfähig bleiben (vgl. Glotz, 2000). Somit werden wirtschaftlich tragfähige und qualitativ hochwertige wissenschaftliche Weiterbildungsangebote benötigt, welche zusätzliche Einnahmequellen darstellen, neue Zielgruppen erreichen und zur Weiterentwicklung der Hochschulprofile beitragen. Diese Bildungsangebote müssen den Anforderungen der TeilnehmerInnen, des Marktes und der Unternehmen entsprechen. Weiterbildungen sollten praxisorientiert sein, flexible Formate aufweisen, den Lerntransfer begünstigen und Wissensvermittlungswege für berufstätige Zielgruppen bereithalten. Hochschulakteure können diesen Anforderungen durch den gezielten Einsatz von neuen Medien in der akademischen Weiterbildung gerecht werden (vgl. Fischer, Rose & Köhler, 2011).

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Um auf den veränderten Weiterbildungsbedarf bezüglich der Zielgruppen und Vermittlungsformen zu reagieren, initiierte der Freistaat Sachsen von 2007 bis 2013 ein Förderprogramm aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung. In diesem bundesweit einzigartigen Vorhaben wurden Projekte gefördert, welche postgraduale mediengestützte Weiterbildungsangebote an sächsischen Hochschulen konzipierten und durchführten. Innerhalb dieses Vorhabens wurden 24 Projekte mit einer Laufzeit von sechs bis 36 Monaten mit einem durchschnittlichen Fördervolumen von ca. 512.000 Euro und einer Spanne von 59.500 bis 2,1 Mio. Euro gefördert. In diesem Kontext entstanden hinsichtlich ihrer inhaltlichen, strukturellen und methodischen Gestaltung unterschiedlichste Bildungsangebote. Aus den 24 geförderten Projekten gingen acht weiterbildende Masterstudiengänge, 17 Weiterbildungskurse und 23 digitale Bildungsmodule hervor, welche einzeln entwickelt und angeboten wurden oder bereits bestehende Weiterbildungsangebote erweiterten (vgl. Fischer et al., 2013). Die beteiligten Akteure standen der Frage gegenüber, wie die Nutzung, Verwertung oder Übertragung ihrer Projektergebnisse nach der Förderphase gesichert werden könnte. Das Thema Nachhaltigkeit  bestimmte somit die Endphase der Projekte.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Was ist unter Nachhaltigkeit mediengestützter Bildungsangebote zu verstehen? Vor dem Hintergrund der dargestellten Projektförderungen und daraus resultierenden Problemstellung ergibt sich die weiterführende Frage, welche Faktoren einen Einfluss auf die Nachhaltigkeit mediengestützter Bildungsangebote an Hochschulen haben. Für die Beantwortung werden die Ergebnisse einer qualitativ angelegten Studie herangezogen, welche mit diesen Fragen an Projektakteure aus sächsischen Hochschulen herangetreten ist. Im Rahmen der Erhebung wurde zunächst ein theoretischer Bezugsrahmen entwickelt, der im folgenden Abschnitt skizziert wird.

2     Theoretischer Bezugsrahmen

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Der Nachhaltigkeitsbegriff hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft und sagt aus, dass nicht mehr Bäume eines Waldes gefällt werden sollen als wieder nachwachsen (vgl. Grunwald & Kopfmüller, 2012). In der heutigen Zeit wird der Nachhaltigkeitsbegriff häufig sehr unpräzise verwendet und von verschiedensten Interessengruppen instrumentalisiert (vgl. Seufert & Euler, 2003). Da sich das Forschungsvorhaben auf Hochschulprojekte bezieht, die mediengestützte Bildungsangebote konzipieren, wird in diesem Kontext unter Nachhaltigkeit verstanden, dass sich das zeitlich befristete Projekt selbst auflöst und in dauerhafte Strukturen umgewandelt wird (vgl. Kleinmann & Wannemacher, 2004).

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Die Interdisziplinarität und Vielschichtigkeit von E-Learning an den Hochschulen sowie die zahlreichen Entwicklungen in diesem Feld zeigen zunächst, dass eine Orientierungshilfe nötig ist, um dieses weite Thema strukturiert zu betrachten (vgl. Kaiser, 2011). Im Rahmen einer groß angelegten Studie des Swiss Centre for Innovations in Learning (SCIL) entwickelten Seufert und Euler (2003) die elementaren Beschreibungsdimensionen, um die Nachhaltigkeit von E-Learning-Innovationen zu erforschen. Diese und deren Zusammenspiel zeigt Abbildung 1 auf.

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Die Dimensionen bildeten die Basis der qualitativen Erhebung und setzen sich aus den Feldern Didaktik, Technologie, Ökonomie, Organisation und Kultur zusammen, wobei die Didaktik den Kernbereich darstellt, um den sich die weiteren Dimensionen anordnen (vgl. Seufert & Euler, 2004):

8 Leave a comment on Absatz 8 0 ·    Didaktische Dimension: E-Learning-Angebote müssen sich an der Frage messen lassen, wie sie die Lehr-Lern-Ziele (fachlich und überfachlich) im Vergleich zu weniger aufwendigen Lernszenarien erfüllen.

9 Leave a comment on Absatz 9 0 ·    Technologische Dimension: Die Frage nach der Bereitstellung von problemgerechter technischer Funktionalität wird in dieser Dimension thematisiert.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 ·    Ökonomische Dimension: In dieser Dimension wird die betriebswirtschaftliche Perspektive eingenommen, um Finanzierungsmöglichkeiten und Ressourceneinsatz in ihrer Effizienz und Effektivität zu betrachten.

11 Leave a comment on Absatz 11 0 ·    Organisatorische Dimension: Die organisatorische Gestaltung von Prozessen und Strukturen für die langfristige Verankerung und Anpassungsfähigkeit wird innerhalb dieser Dimension berücksichtigt.

12 Leave a comment on Absatz 12 0 ·    Sozio-kulturelle Dimension: Diese Dimension beschäftigt sich mit Lehr- und Lernkulturen, Einstellungen und Gewohnheiten sowie Akzeptanz, Innovationsbereitschaft und Selbstorganisation.

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Diese Dimensionen stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen sich gegenseitig. Sie dienten der Strukturierung des Forschungsvorhabens und wurden außerdem zur besseren Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse aus den nachfolgend dargestellten Forschungsfragen genutzt.

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Abbildung 1: Nachhaltigkeitsdimensionen von Seufert & Euler (2004)

3     Forschungsfrage und Methodik

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Die Analyse der Nachhaltigkeitsvorstellungen in den beschriebenen ESF-Projekten basiert auf folgenden Fragestellungen:

17 Leave a comment on Absatz 17 0 ·    Was ist unter Nachhaltigkeit mediengestützter Weiterbildungsangebote an Hochschulen zu verstehen?

18 Leave a comment on Absatz 18 0 ·    Welche Faktoren haben einen Einfluss auf die Nachhaltigkeit mediengestützter Weiterbildungsangebote an Hochschulen?

27 Leave a comment on Absatz 27 0 Digitale Bildungsmodule

32 Leave a comment on Absatz 32 0 Weiterbildungskurs

36 Leave a comment on Absatz 36 0 Masterstudiengang

42 Leave a comment on Absatz 42 0 Hochschulabschluss

54 Leave a comment on Absatz 54 0 Weiterentwicklung

57 Leave a comment on Absatz 57 0 Fachliche Ausrichtung

58 Leave a comment on Absatz 58 0 Erziehungswissenschaften

61 Leave a comment on Absatz 61 0 Naturwissenschaften

66 Leave a comment on Absatz 66 0 Wirtschaftswissenschaften

68 Leave a comment on Absatz 68 0 Interdisziplinär

70 Leave a comment on Absatz 70 0 Abbildung 2: Struktur/Einordnung der untersuchten Fälle/Angebote

71 Leave a comment on Absatz 71 0 Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen wurden mit ProjektkoordinatorInnen teilstandardisierte Leitfadeninterviews geführt, um Einblicke in ihre Erfahrungen innerhalb der Hochschulprojekte zu gewinnen. Für die Auswahl der Befragten wurden die Projekte anhand der Förderanträge klassifiziert. Kriterien dafür waren das Format des Weiterbildungsangebotes, dessen Abschluss, ob es auf bereits bestehende Angebote aufbaut, in welcher Fachrichtung es verortet ist, in welcher Projektphase es sich befindet und an welcher der sächsischen Hochschulen es angesiedelt wurde. Diese Vorgehensweise eröffnete die Möglichkeit, trotz der geringen Stichprobe von sechs Projekten deren Unterschiede und die Variationsbreite des Feldes einzubeziehen (vgl. Flick, 2011). Die Abbildung 2 verdeutlicht diese Variationsbreite.

72 Leave a comment on Absatz 72 0 Der Interviewleitfaden griff die Dimensionen nach Euler und Seufert auf und ging zunächst auf das übergeordnete ExpertInnenwissen der Befragten ein, um anschließend zu analysieren, welche konkreten Überlegungen während des Projektes getroffen wurden, um die Nachhaltigkeit des erstellten mediengestützten Weiterbildungsangebotes zu sichern. Da die Nachhaltigkeitsthematik mediengestützter Weiterbildungsangebote an Hochschulen auf der Ebene der Projekte untersucht wurde, konnte die sozio-kulturelle Dimension nicht erhoben werden. Diese beschäftigt sich mit psychologischen und nicht beobachtbaren Faktoren wie Lehr-/Lernkulturen und Akzeptanz. Einstellungs- und Verhaltensaspekte konnten im Rahmen der Forschungsarbeit nicht erfasst werden, da dafür umfassendere Untersuchungen der ProjektmitarbeiterInnen, der Zielgruppe des Weiterbildungsangebots und der Hochschulakteure notwendig gewesen wären.

73 Leave a comment on Absatz 73 0 Die Auswertung der transkribierten Interviews orientierte sich am Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2008). Mittels der induktiven Kategorienbildung wurden schrittweise Kategorien, Subkategorien und Codes direkt aus dem Material entwickelt, selektiert und gebündelt (vgl. Mayring, 2008). Die Oberkategorien bildeten dabei die vier Dimensionen Didaktik, Organisation, Technik und Ökonomie nach Seufert und Euler (2003). Das im Kodierungsprozess entstandene Codesystem wurde anschließend in einer ExpertInnenrunde strukturiert diskutiert, um die Codes abschließend in Subkategorien (Faktoren) zu bündeln.

4     Darstellung der Befunde

74 Leave a comment on Absatz 74 0 Den Forschungsfragen entsprechend wird im Folgenden zuerst auf das Nachhaltigkeitsverständnis der ProjektkoordinatorInnen eingegangen und anschließend das Ergebnis der ermittelten Nachhaltigkeitsfaktoren dargestellt.

4.1 Nachhaltigkeitsverständnis

75 Leave a comment on Absatz 75 0 Das Nachhaltigkeitsverständnis von mediengestützten Weiterbildungsangeboten der befragten ProjektkoordinatorInnen ist unterschiedlich ausgeprägt. Folgende Konzepte wurden von den Befragten mit Nachhaltigkeit in Verbindung gebracht:

76 Leave a comment on Absatz 76 0 ·    Die weitere Verwendung von Inhalten oder Teilen der mediengestützten Bildungsangebote nach Auslaufen der Förderung sowie die Nutzung der gewonnenen Erkenntnisse aus den vorangegangenen Prozessen.

77 Leave a comment on Absatz 77 0 ·    Es sollen Materialien für Lehrende und Lernende zur Verfügung stehen und die Erkenntnisse in weitere Bildungsangebote einfließen oder in Forschungsvorhaben Anwendung finden.

78 Leave a comment on Absatz 78 0 ·    Die Weiterführung der Angebote wird derart gestaltet, dass diese sich wirtschaftlich selbst tragen.

79 Leave a comment on Absatz 79 0 ·    Die MitarbeiterInnen von Projektteams sollen weiter beschäftigt werden.

80 Leave a comment on Absatz 80 0 ·    Die Angebotsnutzung und die Etablierung auf dem Markt sollen sichergestellt werden.

81 Leave a comment on Absatz 81 0 ·    Der Lernerfolg der Teilnehmenden stellt einen weiteren wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeit dar, denn die Lernenden sollten das Bildungsangebot gern und effizient nutzen.

82 Leave a comment on Absatz 82 0 Die Nachhaltigkeit von E-Learning wurde somit in sehr unterschiedlicher Weise von den ProjektkoordinatorInnen dargestellt und wird nicht als reine Produktverwertung auf dem Weiterbildungsmarkt verstanden.

4.2 Nachhaltigkeitsfaktoren

83 Leave a comment on Absatz 83 0 Die Untersuchungsergebnisse zur Frage nach den Faktoren, welche einen Einfluss auf die Nachhaltigkeit mediengestützter Weiterbildungsangebote an Hochschulen haben, wurden anhand der Dimensionen nach Seufert und Euler (2003) strukturiert (siehe oben). Im Folgenden werden die Nachhaltigkeitsfaktoren der Handlungsfelder Didaktik, Ökonomie, Organisation und Technologie systematisch vorgestellt.

84 Leave a comment on Absatz 84 0 In dem bereits vorgestellten Modell nimmt die didaktische Dimension die zentrale Position ein. Die Sicherung der Nachhaltigkeit ist gemäß der Untersuchung mit folgenden didaktischen Anforderungen verknüpft:

85 Leave a comment on Absatz 85 0 ·    Die gesamte didaktische Gestaltung muss an die Zielgruppe angepasst sein, denn ist die Weiterbildung für die Teilnehmenden nicht relevant, nutzen diese das Angebot nicht oder brechen es nach kurzer Zeit ab.

86 Leave a comment on Absatz 86 0 ·    Sehr bedeutsam ist die Anpassungsfähigkeit/Flexibilität. Kann das Angebot nach der Förderphase nicht in seiner ursprünglichen Form angeboten werden (z. B. wegen fehlender Ressourcen), müssen die Weiterbildungsakteure flexibel darauf reagieren. Damit geht die Modularisierung als Angebotsform einher, welche als nachhaltigkeitsfördernd eingeschätzt wird. Auch die Flexibilität, neue Zielgruppen zu gewinnen, das Angebot entsprechend anzupassen oder den Präsenz-Online-Anteil zu verändern (z. B. auf Wunsch von Kooperationspartnern), wird als Teil dieser Kategorie angesehen.

87 Leave a comment on Absatz 87 0 ·    Die Festlegung eigener Standards bezüglich des Angebots bereits während der Angebotserstellung wird als nachhaltigkeitsfördernd betrachtet, denn die Dokumentation oder die Erstellung eines Curriculums haben einen positiven Einfluss bei MitarbeiterInnenwechseln.

88 Leave a comment on Absatz 88 0 ·    Weiterhin wichtig ist der persönliche Kontakt zu den Teilnehmenden, welcher sich nicht nur durch die Betreuung der Lernenden äußert. Lernende sollen sich auch in den Online-Selbstlernphasen nicht allein gelassen fühlen und neben der Angebotsnutzung eine Anlaufstelle für ihre Fragen haben.

89 Leave a comment on Absatz 89 0 In der technologischen Dimension wird folgenden Faktoren Bedeutung für die Nachhaltigkeit zugemessen:

90 Leave a comment on Absatz 90 0 ·    Auf der Ebene der technischen Infrastruktur wird die Nutzung von anerkannten, etablierten Standardtechnologien empfohlen. Existentiell für jedes E-Learning-Angebot und somit auch für seine Nachhaltigkeit sind die Zugänglichkeit für Lehrende und Lernende, die Verlässlichkeit und Stabilität der eingesetzten Technologien sowie der gesicherte langfristige Support.

91 Leave a comment on Absatz 91 0 ·    Die Usability der technischen Systeme stellt einen weiteren bedeutenden Nachhaltigkeitsfaktor dar. Die Lernenden sollen keine kognitive Überlastung durch verkomplizierende Werkzeuge erleben und auch die Lehrenden leicht administrativ und konzeptionell arbeiten können.

92 Leave a comment on Absatz 92 0 ·    Die funktionelle Flexibilität der Technologien wird ebenfalls nachhaltigkeitsfördernd eingeschätzt und beinhaltet zum einen die Anpassungsfähigkeit der Technologien an gesellschaftliche und technologische Entwicklungen, die Aktualisierung oder Änderung der Inhalte sowie die Möglichkeit, das System anzupassen (z.B. Bereitstellung anderer Tools für die Lernenden). Zum anderen beinhaltet die funktionelle Flexibilität die Interaktionsmöglichkeiten der Technologie und deren funktionelle Vielfalt, sodass die Weiterbildungsakteure bei der Auswahl von Kommunikations-, Organisations- und Lernwerkzeugen flexibel sind.

93 Leave a comment on Absatz 93 0 ·    Der letzte Nachhaltigkeitsfaktor der technologischen Dimension ist der Datenschutz. Die Rechtssicherheit ist für alle Beteiligten wichtig. Dementsprechend müssen Datenschutzrichtlinien der Hochschulen eingehalten werden.

94 Leave a comment on Absatz 94 0 In der ökonomischen Dimension wird die betriebswirtschaftliche Perspektive eingenommen, um Finanzierungsmöglichkeiten und Ressourceneinsatz zu betrachten. Durch die Untersuchung wurden folgende nachhaltigkeitsförderliche Faktoren in dieser Dimension identifiziert:

95 Leave a comment on Absatz 95 0 ·    Die Kommunikation der Angebote beinhaltet die Umsetzung von Maßnahmen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Außenwahrnehmung von Angebot und Anbieter beeinflusst sowohl potenzielle TeilnehmerInnen als auch Kooperationspartner. Als ungünstig erwies sich das Fehlen von Förderquellen für die Umsetzung von Kommunikationsmaßnahmen.[1]

96 Leave a comment on Absatz 96 0 ·    Die konsequente Bedarfsorientierung wurde mehrfach in dieses Handlungsfeld eingeordnet. Weiterbildungsangebote müssen den Anforderungen von TeilnehmerInnen und Markt entsprechen, was für die Bildungskonzeption einen Paradigmenwechsel von der Angebots- zur Nachfrageorientierung darstellt.

97 Leave a comment on Absatz 97 0 ·    Kooperationen wurden als Strategie zur Nachhaltigkeitssicherung genannt. Diese sind dann besonders relevant, wenn es um die langfristige Fortführung und die zukünftige institutionelle Anbindung von Weiterbildungsangeboten geht. An dieser Stelle wird Wirtschafts- und Transferpartnern (z.B. private Bildungseinrichtungen) besonders hohe Aufmerksamkeit geschenkt.

98 Leave a comment on Absatz 98 0 ·    Auch die finanzielle Absicherung wurde als wichtiger Faktor genannt. Diese umfasst beispielsweise die Gestaltung von angemessenen Preisen und Geschäftsmodellen für die Angebote sowie das Finden weiterer Finanzierungsquellen (z.B. Sponsoring, Werbung).

99 Leave a comment on Absatz 99 0 ·    Ebenfalls in dieses Handlungsfeld fällt der Vertrieb. Hier ging es den Befragten insbesondere um Maßnahmen der KundInnengewinnung und -pflege sowie der Netzwerkerweiterung und -pflege. Nach Meinung der Befragten spielen hierbei die persönlichen Netzwerke von Weiterbildungsverantwortlichen eine besondere Rolle.

100 Leave a comment on Absatz 100 0 In der letzten Dimension wurden organisatorisch-administrative Zusammenhänge, die sich stark auf institutionsinterne Strukturen und Abläufe konzentrieren, untersucht. Bedeutsame Nachhaltigkeitsfaktoren dieser Ebene sind:

101 Leave a comment on Absatz 101 0 ·    Die Entwicklung von Betriebskonzepten und Nachfolgeregelungen, die der Klärung der Frage dienen, wer (bzw. welche Institutionen) die entwickelten Bildungsangebote nach der Förderung langfristig betreiben und wie der Übergang (z.B. von Eigentumsverhältnissen) erfolgen soll.

102 Leave a comment on Absatz 102 0 ·    Für die Nachhaltigkeitssicherung müssen Nachfolgeregelungen auch aus juristischer Perspektive betrachtet werden. Für den Betrieb von Weiterbildungsangeboten sind die Rechtsbereiche des Datenschutzes, Gewerberechts sowie Urheber- und Patentrechts von besonderer Relevanz. Es gilt daher frühzeitig – bereits während der Bildungskonzeption – diese Perspektive einzunehmen, um die Nachhaltigkeit nicht zu gefährden.

103 Leave a comment on Absatz 103 0 ·    Ein weiterer von den Befragten genannter Faktor betrifft das interne Wissensmanagement. Um den Erfahrungs- und Wissensaustausch zu sichern, müssen Verfahrensabläufe nachvollziehbar dokumentiert und recherchierbar gemacht werden.

104 Leave a comment on Absatz 104 0 ·    Als Barriere für Nachhaltigkeit von Bildungsangeboten wurden mehrfach die Hochschulstrukturen genannt. So sind beispielsweise die Generierung von Einnahmen und die Bildung von finanziellen Rücklagen kaum möglich, was die wirtschaftlichen Gestaltungsspielräume von Weiterbildungsakteuren stark einschränkt. Für die Nachhaltigkeitssicherung sind daher prozessuale Anpassungen der Hochschuladministration notwendig.

5     Fazit

105 Leave a comment on Absatz 105 0 Im vorliegenden Beitrag wurden die Ergebnisse einer qualitativen Studie zur Nachhaltigkeitssicherung in der mediengestützten Weiterbildung sächsischer Hochschulen präsentiert. Es ist darauf zu verweisen, dass die befragten Weiterbildungsakteure Auskünfte über mögliche und relevante Nachhaltigkeitsstrategien geben sollten, aber keine Befragung dahingehend erfolgte, inwiefern diese Maßnahmen von ihnen auch umgesetzt wurden. Insofern sind die Befunde weniger als Erfahrungsbericht, sondern vielmehr als Wunschlisten oder Handlungsempfehlungen für die perspektivische Förderung von digitalen Bildungsangeboten zu verstehen. Da ausschließlich Personen aus ESF-geförderten Weiterbildungsprojekten befragt wurden, sind die Befunde nicht zweifelsfrei auf andere Bildungskontexte übertragbar, sondern spiegeln die strukturellen Besonderheiten dieses Förderinstrumentes wider. Die identifizierten Nachhaltigkeitsfaktoren bieten zunächst wenig Anlass für Überraschungen, sondern referenzieren auf Forderungen, die von E-Learning-Aktivisten häufig vorgebracht werden. Der Mehrwert der Studie liegt in der Klarheit, mit der die Nachhaltigkeit des ESF-Förderschwerpunktes „Postgraduale Bildungsangebote“ durch Projektbeteiligte bewertet wurden. Es wird deutlich, welche Maßnahmen innerhalb der Handlungsfelder Didaktik, Technologie, Organisation und Ökonomie umzusetzen sind, um den langfristigen Betrieb von Bildungsangeboten zu sichern, die aus öffentlichen Mittel finanziert sind.

Literatur

106 Leave a comment on Absatz 106 0 Fischer, H., Köhler, T., Möbius, K., Heinz, M. & Müller, M. (2013). Digital Further Education at German Universities – Status Quo and Challenges. In C. M. Stracke (Hrsg.), Learning innovations and quality – The future of digital resources. Proceedings of the European and International Conference LINQ 2013, Rom 16th and 17th of May 2013 (S. 77–85). Berlin: Logos.

107 Leave a comment on Absatz 107 0 Fischer, H., Rose, N. & Köhler, T. (2011). E-Learning in der postgradualen Weiterbildung an sächsischen Hochschulen. In T. Köhler & J. Neumann (Hrsg.), Wissensgemeinschaften. Digitale Medien – Öffnung und Offenheit in Forschung und Lehre (S. 304–314). Münster: Waxmann.

108 Leave a comment on Absatz 108 0 Flick, U. (2011). Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. 4. Auflage. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch.

109 Leave a comment on Absatz 109 0 Glotz, P. (2000). Einleitung. In Bertelsmann Stiftung & Heinz Nixdorf Stiftung (Hrsg.), Studium online. Hochschulentwicklung durch neue Medien. Gütersloh: Bertelsmann.

110 Leave a comment on Absatz 110 0 Grundwald, A. & Kopfmüller, J. (2012). Nachhaltigkeit. 2. Auflage. Frankfurt am Main: Campus.

111 Leave a comment on Absatz 111 0 Kleinmann, B. & Wannemacher, K. (2004). E-Learning an deutschen Hochschulen. Von der Projektentwicklung zur nachhaltigen Implementierung. Hannover: HIS.

112 Leave a comment on Absatz 112 0 Mayring, P. (2008). Qualitative Inhaltsanalyse. In U. Flick, E. von Kardorff & I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (S. 468474). Reinbek: Rowohlt Taschenbuch.

113 Leave a comment on Absatz 113 0 Seufert, S. & Euler, D. (2003). Nachhaltigkeit von eLearning-Innovationen. SCIL-Arbeitsbericht 1. http://www.scil.unisg.ch/~/media/internet/content/dateien/ instituteundcenters/iwp-scil/arbeitsberichte/scilab-01.pdf

114 Leave a comment on Absatz 114 0 Seufert, S. & Euler, D. (2004). Nachhaltigkeit von eLearning-Innovationen. Ergebnisse einer Delphi-Studie. SCIL-Arbeitsbericht 2. http://www.scil.unisg.ch/~/media/ internet/content/dateien/instituteundcenters/iwp-scil/arbeitsberichte/scilab-02.pdf



115 Leave a comment on Absatz 115 0 [1] Im Rahmen der ESF-Förderung von Hochschulen sind Kommunikationsmaßnahmen aufgrund beihilferechtlicher Problematiken (Marktverzerrung) nicht förderfähig.

116 Leave a comment on Absatz 116 0

Quelle:http://2015.gmw-online.de/165/?replytopara=78