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Spielwiese MOOCs – Drei Experimente im #neuland

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Daniela Pscheida, Andrea Lißner, Maria Müller

Zusammenfassung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Der Artikel leistet einen Beitrag zur Dokumentation und Systematisierung von Erfahrungen bei der Durchführung interdisziplinär ausgerichteter und interinstitutionell produzierter Massive Open Online Courses (MOOCs). Vorgestellt werden drei Kurse, die als Praxisexperimente unterschiedliche didaktische Konzepte, Themen, Zielstellungen sowie Zielgruppen adressierten und auf verschiedenen technologischen Infrastrukturen basierten. Im Fokus stehen die „Lessons Learned“ für den Einsatz von MOOCs im Hochschulkontext.

1     Einführung

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Die breite öffentliche und fachwissenschaftliche Diskussion über Massive Open Online Courses (MOOCs) hat (erfreulicherweise) zu einer Belebung und Intensivierung des Nachdenkens über die Potenziale des Einsatzes digitaler Technologien im Kontext von wissenschaftlicher (Weiter-)Bildung geführt (Jeschke 2014, S. 360). Zugleich hat eine Ausdifferenzierung von Formaten und didaktischen Konzepten stattgefunden (HRK, 2014, S. 12-15; Waters, 2014, S. 19-21), die sicher noch längst nicht als abgeschlossen zu betrachten ist.

3 Leave a comment on Absatz 3 0 MOOCs regen zum Experimentieren an (EFI, 2015, S. 56) und bergen die Chance, neue didaktische Ansätze auszuprobieren (HRK, 2014, S. 18) und dabei bestehende institutionelle Strukturen bzw. Grenzen zu überwinden. In diesem Sinne eignen sich MOOCs nicht zuletzt auch für hochschul- und disziplinübergreifende Lehr-Lern-Projekte (ebd., S. 40-42), wie die Beispiele dieses Beitrags zeigen.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Auch wenn die meisten MOOCs mit schon bekannten und keineswegs revolutionären Elementen wie Vorlesungsaufzeichnungen, Diskussionsforen und Onlineprüfungen arbeiten, betreten Lehrende wie Lernende mit ihrer Umsetzung doch in vielerlei Hinsicht ‘Neuland’: Der virtuelle Lernraum verändert die Rahmenbedingungen individueller und gruppenbezogener Lernprozesse (Pscheida et al., 2014b), didaktische Entscheidungen zu Zielen, Inhalten, Methoden und Darstellungsweisen werden heute auch durch die Möglichkeiten des Medieneinsatzes bestimmt und rechtliche Aspekte wie Urheber- und Wiederverwertungsrechte gewinnen an Bedeutung und Brisanz.

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Neben diesen Aspekten kommen insbesondere bei hochschul- und disziplinübergreifenden MOOC-Projekten[1] – welche in dieser Vielfalt überhaupt erst durch digitale Medien möglich geworden sind – Herausforderungen auf der institutionellen und (fach-)kulturellen Ebene auf die Akteure zu.

2     Drei Beispiele aus der Praxis

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Im Folgenden werden die drei MOOC-Projekte SOOC, SOOPAL und MOOC@TU9 vorgestellt, in deren Rahmen 2013 und 2014, jeweils koordiniert durch das Medienzentrum der TU Dresden, gleichnamige Kurse konzipiert, durchgeführt und evaluiert wurden. Die Rahmenbedingungen, Zielgruppen sowie Zielstellungen und die zugrundeliegenden Technologien der drei Kurse unterschieden sich dabei z. T. grundlegend voneinander. Gemeinsam ist allen drei Projekten sowie den entsprechenden MOOCs die interdisziplinäre und interinstitutionelle Ausrichtung.

2.1  SOOC – Saxon Open Online Course

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Das Kooperationsprojekt SOOC – Saxon Open Online Course[2] der Universitäten in Dresden, Chemnitz und Siegen hatte zum Ziel, das Format eines konnektivistischen MOOCs (cMOOC) im Rahmen der institutionalisierten Hochschullehre zu erproben. Thematisch war das offene und virtuell dezentral gestaltete Bildungsangebot an Fragenstellungen des Lernens mit Social Media orientiert, die in zwei Kursdurchläufen zu je vier Themenblöcken (z.B. zu Theorien und rechtlichen Rahmenbedingungen von Social Media in der Lehre, zu E-Portfolios und Open Educational Resources) à 2 Wochen bearbeitet wurden.[3]

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Als technische Basis für die zentrale Kursseite diente das offene Blogsystems WordPress. Die Kursseite hatte dabei die Funktion, Beiträge und Wochenaufgaben der Teilnehmenden zu aggregieren, sowie die Aktivitäten auf verschiedenen Social Media-Kanälen (insbesondere Blog und Twitter) zu sammeln.

9 Leave a comment on Absatz 9 0 Zielgruppe waren neben Studierenden und Lehrenden der drei beteiligten Hochschulen auch externe Interessierte aus Wirtschaft und Weiterbildung. Der tatsächliche Teilnehmerkreis war daher im Hinblick auf Vorwissen und disziplinäre Herkunft äußerst heterogen. So kamen die Studierenden als Mehrheit der Teilnehmenden (jeweils ca. 60%) aus unterschiedlichen Fachbereichen wie Erziehungswissenschaft, Wirtschaftsinformatik, Philosophie oder Medienforschung.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Besonderheit und gleichzeitig Herausforderung des offenen Kursangebots stellte daher die Festlegung von Anforderungen sowie die Erfassung und Bewertung erbrachter Leistungen und erworbener Kompetenzen im Kontext unterschiedlicher  Prüfungsordnungen dar (vgl. Pscheida et al., 2014a). Für Lehrende aus Nordrhein-Westfalen und Sachsen war zudem der Erwerb eines Hochschuldidaktischen Zertifikats möglich. Um die Anrechnung zu gewährleisten, wurden variable Anforderungsniveaus definiert und ein gestuftes System für den Erwerb von 1,5 bis 4 Credit Points entwickelt. Erfasst und beurteilt wurden die erbrachten Leistungen im SOOC13 über ein spezielles Portfolioformular und über Kommentare unter den Blogbeiträgen der Teilnehmenden. Im SOOC1314 wurden ergänzend Digital Badges mit dazugehörigen Verbalbeurteilungen (vgl. Lorenz & Meier, 2014) eingeführt.

11 Leave a comment on Absatz 11 0 Da es sich für viele Studierende um ein neues Format im akademischen Lernalltag handelte, war auch jenseits der Erfassung und Beurteilung von Leistungen eine intensive Betreuung und Motivation notwendig, die durch TutorInnen (vgl. Dubrau et al. 2014) gewährleistet wurde. Zudem fanden zur Einführung an jedem beteiligten Standort Einführungs- und Auswertungsworkshops in Präsenz statt.

2.2  SOOPAL – Saxon Open Online Course

12 Leave a comment on Absatz 12 0 Im Rahmen des Projekts SOOPAL – Saxon Open Online Course in OPAL[4], das in Kooperation zwischen der TU Dresden und der TU Chemnitz realisiert wurde, stand die Eignung des Lernmanagementsystems (LMS) OPAL als Umgebung für die Erstellung und Durchführung eines xMOOCs unter der ausschließlichen Verwendung von Open Educational Resources (OER) im Mittelpunkt.

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Inhaltlich zielte SOOPAL[5] darauf ab, grundlegende Kenntnisse im Bereich E-Learning und Wissen bezüglich strategischer Entscheidungen in Zusammenhang mit der Durchführung von E-Learning-Projekten zu erwerben. Zielgruppe von SOOPAL waren E-Learning-Beauftragte und Interessierte aller Disziplinen, die sich zum E-Learning-Einsatz in der akademischen Aus- und Weiterbildung informieren wollten. Die im Rahmen des Kurses erworbenen Credits konnten für das Hochschuldidaktische Zertifikat des HDS[6] angerechnet werden.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 Die Inhalte (z. B. didaktische, technologische, ökonomische Aspekte von E-Learning und Qualitätsmanagement) wurden den Teilnehmenden im Rahmen von vier Themenblöcken in Form von Lernmodulen, Video- und Audiomitschnitten, in Webinaren sowie über Texte auf internen Inhaltsseiten zur Verfügung gestellt. Die technische Realisierung erfolgte ausschließlich über das auf OLAT basierende LMS OPAL. In der Lernplattform wurden für die Darstellung und Aufbereitung der Inhalte u. a. folgende Kursbausteine verwendet: „Mitteilungen“ (für Ankündigungen und Hinweise zu Arbeitsaufgaben und Terminen usw.), „Scorm-Lerninhalt“ (für die Einbindung von Lernmodulen), „Interne Seite“ (für die Darstellung von Inhalten und Abläufen) sowie „Test“ (für die Bereitstellung von mit ONYX erstellten Testaufgaben). Die Bewertung innerhalb des Kurses erfolgte über E-Assessments (Multiple Choice, Zuordnungen, Reihenfolgen usw.), die mit der ONYX-Testsuite[7] und dem Open KnowledgeWorker[8] erstellt wurden.

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Bei der Zusammenstellung der Inhalte des Kurses zeigte sich, dass nicht ausreichend hochwertige OER existierten, um alle geplanten Themenbereiche des Kurses abzudecken und damit einen stringenten didaktischen Ablauf zu gewährleisten. Entsprechend mussten teilweise doch neue Lernmodule und Grafiken erstellt werden. Darüber hinaus benötigte die kooperative Erstellung der Inhalte mit OPAL einen hohen Kommunikations- und Koordinationsaufwand, weil diese technikbedingt nicht synchron erfolgen konnte. So mussten die Projektmitarbeiterinnen sich während der Kurserstellung intensiv abstimmen und planen, wer wann welche Arbeiten am OPAL-Kurs vornehmen würde.

2.3  MOOC@TU9

16 Leave a comment on Absatz 16 0 MOOC@TU9 ist ein Projekt der Allianz neun führender technischer Universitäten in Deutschland (TU9)[9] mit dem Ziel des gemeinsamen Erfahrungsaufbaus in der hochschulübergreifenden Produktion von MOOCs, welche die Qualität und Stärken der deutschen Ingenieurwissenschaften national wie international sichtbar machen und das Thema „German Engineering“ am internationalen digitalen Bildungsmarkt strategisch besetzen. Der Pilotkurs „Discover Excellence in Engineering and the Natural Sciences – Made in Germany“ wurde zwischen Oktober und Dezember 2014 erfolgreich durchgeführt. Die englischsprachige Ringvorlesung[10] richtete sich an Studieninteressierte weltweit und gab einen Einblick in verschiedene ingenieurwissenschaftliche Studiengänge der beteiligten Universitäten.

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Kern des Kurses war eine Live-Session, in welcher in der Regel zwei ProfessorInnen unterschiedlicher TU9-Universitäten zu einem gemeinsamen Hauptthema je ein Unterthema präsentierten. Die Live-Sessions bestanden aus kurzen, vorproduzierten Videos, einem Fachvortrag sowie moderierten Interviewsequenzen, in die durch die Teilnehmenden via Chat Fragen eingebracht werden konnten. Auf der Basis der Fachvorträge hatten die Teilnehmenden zudem die Gelegenheit, exemplarische Aufgabenstellungen zu bearbeiten, um auf diese Weise ihre persönliche Eignung für den jeweiligen Studiengang zu testen. Weiterhin bestand die Möglichkeit, sich in Diskussionsforen mit anderen Teilnehmenden oder den beteiligten Lehrstühlen auszutauschen. Am Ende jeder Kurswoche erhielten die Teilnehmenden eine Zusammenfassung, welche die Woche im Überblick darstellte und auf Materialien zur selbständigen Aufgabenüberprüfung verwies.

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Realisiert wurde das Angebot MOOC@TU9 äquivalent zum SOOC mittels einer zentralen Kursseite auf WordPress-Basis, über die der Zugang zu allen Kursmaterialien, Terminen, den Diskussionsforen und sonstigen kursbezogenen Informationen möglich war. Die Live-Sessions fanden über Google Hangout on Air statt und konnten live bzw. später als Aufzeichnung via YouTube verfolgt werden.

19 Leave a comment on Absatz 19 0 Die besondere Herausforderung in der Umsetzung von MOOC@TU9 bestand vor allem in der Erarbeitung und Gewährleistung eines einheitlichen visuellen, didaktischen und technischen Rahmens. So war beispielsweise darauf zu achten, dass – trotz dezentraler Produktion an den neun Standorten mit unterschiedlichen Bedingungen – Ausgestaltung und Stil der Live-Sessions zu einem einheitlichen Kursbild beitrugen. Dies gelang einerseits durch einen kontinuierlichen kommunikativen Austausch zwischen den TU9-Universitäten auf der Ebene eines Redaktionsteams, bestehend aus mindestens je einem/r VertreterIn jedes Standorts. Zum anderen wurde der Erarbeitung von gemeinsamen Designvorlagen sowie der Abstimmung von inhaltlichen Bausteinen und Ablaufplänen, aber auch der technischen Erprobung, im Vorfeld ein zentraler Stellenwert eingeräumt.

3     Lessons Learned

20 Leave a comment on Absatz 20 0 Aus den drei vorgestellten Projekten sind sowohl spezifische als auch allgemeine „Lessons Learned“ hervorgegangen, die im Folgenden vorgestellt werden.

3.1  Fazit der Durchführung der cMOOCs, SOOC13 und SOOC1314

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Erfahrungen aus dem Projekt SOOC zeigen, dass offene, dezentral im Netz stattfindende Lehrangebote für die grundständige und institutionalisierte Hochschullehre einer umfangreichen didaktischen wie auch organisatorischen Vorbereitung bedürfen. Die Offenheit des Formates und die damit verbundene, z. T. als unkonkret empfundene, kompetenzorientierte und auf Selbstbestimmung abzielende Aufgabenkonzeption, führte nicht selten zu Unsicherheiten auf Seiten der Teilnehmenden. Zudem zeigte sich, dass die tutorielle Betreuung ein zentraler und wichtiger, jedoch zeit- und personalaufwändiger Bestandteil der Kursdurchführung ist. Besonders von Bedeutung sind kurze Reaktionszeiten bei der Beantwortung von Fragen und Lösung von Problemen, die nur gewährleistet werden können, wenn Projektteam und TutorInnen auch über institutionelle Grenzen hinweg eng zusammenarbeiten (Dubrau et al. 2014, S. 202f.). Um eine Anrechenbarkeit der erbrachten Leistungen in verschiedenen Studiengängen zu gewährleisten, müssen flexible Leistungsanforderungen für unterschiedliche Teilnehmergruppen definiert und quantifizierbar gemacht werden, was aufseiten der Teilnehmenden bestehende Unsicherheiten weiter verstärken und damit die Potenziale des freien, selbstbestimmten Lernens zusätzlich limitieren kann.

3.2  LMS als MOOC Plattform: Fazit aus dem xMOOC SOOPAL

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Im Zuge des xMOOC-Projektes SOOPAL stellte sich heraus, dass das LMS OPAL (OLAT) für die Erstellung und Realisierung eines xMOOCs hinsichtlich verschiedener Aspekte sein Potenzial noch nicht ausschöpft: Dies betrifft sowohl die Ebene der MOOC-Erstellung als auch die der Durchführung. Für Erstere lassen sich exemplarisch das Fehlen von Inhaltsvorlagen (Templates) für die kooperative, hochschulübergreifende Erstellung von Lehreinheiten nennen, welche notwendig wären, um eine einheitliche Struktur zu wahren. Darüber hinaus fehlt die Möglichkeit, dass mehrere Personen gleichzeitig im Kurseditor arbeiten können (vgl. Lorenz et al. 2014). Die Durchführung des Projektes zeigte jedoch auch, dass die Nutzung einer an allen projektbeteiligten Hochschulen gleichermaßen akzeptierten und etablierten technischen Infrastruktur die kommunikative und konzeptionelle Arbeit deutlich vereinfachen kann.

3.3  MOOC als Instrument des Hochschulmarketings und der Studienorientierung: MOOC@TU9

23 Leave a comment on Absatz 23 0 Die bisherigen Erfahrungen im Projekt MOOC@TU9 machen einmal mehr deutlich, dass sich mittels hochschulübergreifender MOOCs wertvolle Synergieeffekte im Hinblick auf die Adressierung gemeinsamer Ziele sowie die Zusammenführung und Nutzung verteilter Ressourcen und Kompetenzen erzeugen lassen (Pscheida et al. 2015, S. 134). Gleichzeitig besteht die größte Herausforderung darin, trotz der Vielfalt der dargestellten Disziplinen und Standorte sowie der Vielzahl der beteiligten Akteure eine gewisse inhaltliche, didaktische sowie produktionstechnische Geschlossenheit herzustellen. Begegnet werden kann dieser Herausforderung nur über enge Kommunikations- und Abstimmungsprozesse, die mit entsprechend Zeit versehen werden sollten.

24 Leave a comment on Absatz 24 0 Die gewählte Schwerpunktsetzung auf Aspekte des Marketings und der allgemeinen Studienorientierung und -beratung erwies sich dem Kurscharakter gegenüber als eher abträglich. So machte die Breite des Themenspektrums der Ringvorlesung und das jeweils benötigte spezifische fachliche Vorwissens eine komplette aktive Teilnahme schwierig. Die Mehrheit der Teilnehmenden entschied sich daher für einen selektiven Zugang zu den angebotenen Kursinhalten, indem gezielt nur einzelne Kurswochen und/oder einzelne Angebotsformate rezipiert wurden (ebd., S. 132-133). Das Angebot erfüllte somit zwar den Zweck der persönlichen Orientierung und Beratung zukünftiger Studierender, das Gefühl eines in sich geschlossenen Bildungserlebnisses kam jedoch eher selten auf, was zu Enttäuschung auf Seiten der Lehrenden wie der Lernenden führte. Für nachfolgende Aktivitäten ergibt sich daraus die Notwendigkeit zu einer klaren begrifflichen Abgrenzung für MOOC-Angebote mit Marketing- und Orientierungscharakter, um Erwartungen in die richtige Richtung zu lenken.

4     Was sich aus dem MOOC-Hype lernen lässt: eine Systematisierung

25 Leave a comment on Absatz 25 0 MOOCs als Bereicherung und Erweiterung des Bildungs- und Informationsangebots der Hochschulen

26 Leave a comment on Absatz 26 0 Der regelrechte ‚MOOC-Hype’ (Gartner, 2014) der vergangenen Jahre hat die Diskussion um die Potenziale von digitalen Technologien in der Lehre neu entfacht. MOOCs können die grundständige Lehre gezielt bereichern, indem sie mit etwas experimenteller Offenheit alternative Zugänge zu Lerninhalten anderer Institutionen eröffnen und den Auf- und Ausbau von Schlüsselkompetenzen wie selbstgesteuertes informelles/non-formales Lernen oder den Aufbau und die Pflege persönlicher Wissensnetzwerke ermöglichen. Insbesondere konnektivistisch ausgerichtete cMOOCs lassen so eine individuelle Fokussierung des Erkenntniszuwachses und der Kompetenzentwicklung zu, was dem Anspruch nach personalisierter Bildung (CHE 2014, S. 6) entspricht. MOOCs tragen aber auch zur weiteren Flexibilisierung und Öffnung der Hochschullehre für neue Zielgruppen bei. Sie können die Hochschulen insofern auch dabei unterstützen, mit ihrem Profil und ihren Angeboten national wie international sichtbarer zu werden und zukünftige Studierende gezielt anzusprechen (Bischof & Stuckrad, 2013, S. 56). Schließlich bieten MOOCs auch die Chance zur Realisierung kooperativer, hochschul- und/oder fächerübergreifender Lehrangebote und damit die Schaffung besonderer digitaler Lernerfahrungen.

27 Leave a comment on Absatz 27 0 MOOCs als Impulsgeber für die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen offener Bildungsangebote

28 Leave a comment on Absatz 28 0 Die Umsetzung von MOOCs stellt spezifische An- und Herausforderungen an die beteiligten Institutionen: Von zentraler Bedeutung ist etwa die Integrierbarkeit in bestehende Curricula und Prüfungsordnungen. Die vorgestellten Beispiele hochschul- und disziplinübergreifender Angebote zeigen, wie wichtig eine interinstitutionelle Verständigung auf Leistungsanforderungen und Anerkennungsbedingungen, jedoch auch, wie aufwändig und schwierig sich dies oft gestaltet.

29 Leave a comment on Absatz 29 0 Dennoch können MOOCs gerade hier als wichtiger Impulsgeber für die weitere Auseinandersetzung mit diesen Fragen wirken, denn Aspekte der Qualitätssicherung sowie des Monitorings, der Bewertung und der formalen Anerkennung von Leistungen im Rahmen offener, netzbasierter Bildungsangebote spielen im Kontext der zunehmenden Digitalisierung von Lehre insgesamt eine große Rolle. Schließlich kommen in diesem Zusammenhang auch die Themen offene Bildungsressourcen (OER) und freie Lizenzen (CC) ins Spiel, die dringend einer stärkeren hochschulpolitischen Wahrnehmung bedürfen (vgl. Deimann et al., 2015).

30 Leave a comment on Absatz 30 0 MOOCs als Kristallisationspunkt einer zukunftsweisenden digitalen Strategieentwicklung an den Hochschulen

31 Leave a comment on Absatz 31 0 Um die Potenziale der hochschulübergreifenden Bereitstellung von Aus- und Weiterbildungsangeboten ausschöpfen zu können, bedarf es auch einer Verschränkung der Angebote mit einer dezidierten Digitalisierungsstrategie an den Hochschulen. Bestandteil einer solchen Strategie sollte vor allem die Medienkompetenzentwicklung bei Lehrenden und Lernenden sein. Nicht nur der didaktisch begründete und zielgerichtete Umgang mit den Medien in der Lehre ist von Relevanz, auch Kenntnisse bezüglich Urheber- und Persönlichkeitsrechten sowie Fähigkeiten der Selbstpräsentation vor der Kamera werden zunehmend notwendig. Lernende müssen noch stärker als in klassischen E-Learning-Arrangements für offenes und selbstgesteuertes Lernen sensibilisiert werden. Langfristig könnte sich somit nicht zuletzt am Thema MOOC entscheiden, inwiefern die Hochschulen in der Lage sind, sich als Bildungseinrichtungen des digitalen Zeitalters zu verstehen.

Literatur

32 Leave a comment on Absatz 32 0 Centrum für Hochschulentwicklung, CHE (2014). Digital wird normal. Wie die Digitalisierung die Hochschulbildung verändert. Online verfügbar: http://www.che.de/downloads/Im_Blickpunkt_Digital_wird_normal.pdf

33 Leave a comment on Absatz 33 0 Bischof, L. & von Stuckrad, T. (2013). Die digitale (R)evolution. Chancen und Risiken der Digitalisierung akademischer Lehre. Arbeitspapier Nr. 174. CHE – Centrum für Hochschulentwicklung. Online verfügbar: http://www.che.de/downloads/CHE_AP_
174_Digitalisierung_der_Lehre.pdf

35 Leave a comment on Absatz 35 0 Dubrau, M., Pscheida, D., Lißner, A. & Lorenz, A. (2014): Die E-Tutorentätigkeit in offenen Lehr-Lern-Arrangements. In N. Apostolopoulos, H. Hoffmann, U. Mußmann, W. Coy & A. Schwill (Hrsg.), Der Qualitätspakt E-Learning im Hochschulpakt 2020. Grundfragen Multimedialen Lehrens und Lernens (GML2). Tagungsband 2014. Münster: Waxmann, S. 193-209.

36 Leave a comment on Absatz 36 0 Expertenkommission Forschung und Innovation, EFI (2015). Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands. http://www.e-fi.de/ fileadmin/Gutachten_2015/EFI_Gutachten_2015.pdf

38 Leave a comment on Absatz 38 0 Hochschulrektorenkonferenz, HRK (2014). Potenziale und Probleme von MOOCs. Eine Einordnung im Kontext der digitalen Lehre. Beiträge zur Hochschulpolitik 2. Bonn: HRK.

39 Leave a comment on Absatz 39 0 Jeschke, S. (2014). Virtuelle Lernwelten 4.0. Trends und Zukunftsszenarien für die Universität. Forschung und Lehre 5, 360–364.

40 Leave a comment on Absatz 40 0 Lorenz, A. & Meier, S. (2014). Digital Badges zur Dokumentation von Kompetenzen: Klassifikation und Umsetzung am Beispiel des Saxon Open Online Courses (SOOC). In: C. Rensing & S. Trahasch (Hrsg.), Proceedings der Pre-Conference Workshops der 12. E-Learning Fachtagung Informatik (DeLFI 2014), S. 254–261.

41 Leave a comment on Absatz 41 0 Lorenz, A., Müller, M., Stritzke, K. & Morgner, S. (2014). OPAL als MOOC-Plattform: Ein Lernmanagementsystem wird geöffnet. In Breiter, A.,  Rensing, C. (Hrsg.), DeLFI 2014 – Die 14. E-Learning Fachtagung Informatik. Bonn: Gesellschaft für Informatik.

42 Leave a comment on Absatz 42 0 Pscheida, D., Lorenz, A., Lißner, A., Kahnwald, N., Zauner, L. & Dubrau, M. (2014a). Massive Open Online Courses in Higher Education – Performance Assessment in Open Learning Arrangements. In: Proceedings of the 8th International Technology, Education and Development Conference (INTED2014), Valencia. S. 5659- 5667.

43 Leave a comment on Absatz 43 0 Pscheida, D., Lißner, A., Lorenz, A. & Kahnwald, N. (2014b). Vom Raum in die Cloud: Lehren und Lernen in cMOOCs. In K. Rummler (Hg.): Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken (S. 291–301). Münster: Waxmann.

44 Leave a comment on Absatz 44 0 Pscheida, D., Lißner, A., Hoppe, C. & Sexauer, A. (2015). MOOCs als Instrument des hochschulübergreifenden Marketings und der Studienorientierung. Zeitschrift für Hochschulentwicklung ZFHE (Sonderheft „E-Learning-Strategien für Hochschulen“), 10(3).

45 Leave a comment on Absatz 45 0 Waters, J. K. (2014). Breaking the MOOC Model. Campus Technology, 27(5), 18–23.



46 Leave a comment on Absatz 46 0 [1] Unter dem Begriff MOOC-Projekt wird in diesem Beitrag ein Projekt verstanden, in dessen Rahmen ein MOOC konzeptioniert, produziert und durchgeführt wird.

47 Leave a comment on Absatz 47 0 [2] http://ssoc13.de und http://sooc1314.de

48 Leave a comment on Absatz 48 0 [3] SOOC13: „Lernen 2.0 – Persönliches Lern- und Wissensmanagement mit Social Media“, SOOC1314: „Lernen und Lehren mit Social Media“

49 Leave a comment on Absatz 49 0 [4] https://soopal.wordpress.com/

50 Leave a comment on Absatz 50 0 [5] https://bildungsportal.sachsen.de/opal/auth/RepositoryEntry/5977964544/CourseNode/8872872298724
0?sess=true

51 Leave a comment on Absatz 51 0 [6] https://www.hds.uni-leipzig.de/index.php?id=zertifikat

52 Leave a comment on Absatz 52 0 [7] https://www.bps-system.de/cms/en/products/onyx-testsuite/

53 Leave a comment on Absatz 53 0 [8] https://www.openknowledgeworker.org/

54 Leave a comment on Absatz 54 0 [9] http://www.tu9.de/

55 Leave a comment on Absatz 55 0 [10] http://mooc.tu9.de

Quelle:http://2015.gmw-online.de/132/?replytopara=23